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Angststörungen Seite 13
Goethe litt selbst an Panikattacken und Phobien. Seine
Empfehlungen seien hier zitiert. |
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| Ein starker Schall war mir zuwider, krankhafte Gegenstände erregten mir
Ekel und Abscheu. Besonders aber ängstigte mich ein Schwindel, der mich
jedes Mal befiel,
wenn ich von der Höhe herunterblickte. Allen diesen Mängeln suchte ich abzuhelfen, und
zwar, weil ich keine Zeit verlieren wollte, auf eine etwas heftige Weise. Abends beim
Zapfenstreich ging ich neben der Menge Trommeln her, deren gewaltsame Wirbel und Schläge
das Herz im Busen zersprangen mögen. Ich erstieg ganz allein den höchsten Gipfel des
Münsterturms und saß in dem sogenannten Hals, wohl eine Viertelstunde lang, bis ich es
wagte, wieder heraus in die freie Luft zu treten, wo man auf einer Platte, die kaum eine
Elle im Gevierte haben wird, ohne sich sonderlich anhalten zu können, stehend das
unendliche Land vor sich sieht, indessen die nächsten Umgebungen und Zieraten, die Kirche
und alles, worauf und worüber man steht, verbergen. Es ist völlig, als ob man sich auf
einer Montgolfiere in die Luft erhöhen sähe. Dergleichen Angst und Qual wiederholte ich
so oft, bis der Eindruck mir ganz gleichgültig war, und ich habe nachher bei Bergreisen
und geologischen Studien, bei großen Bauten, wo ich mit den Zimmerleuten um die Wette
über die freiliegenden Balken und die Gesinse der Gebäude herlief, ja in Rom, wo man
eben dergleichen Wagstücke ausüben muss, um bedeutende Kunstwerke näher zu sehen, von
jenen Vorübungen großen Vorteil gezogen. Die Anatomie war mir auch deshalb doppelt wert,
weil sie mich den widerwärtigen Anblick ertragen lehrte, indem sie meine
Wissbegierde befriedigte, Und so besuchte ich das Klinikum des alten Doktor Ehrmann sowie die Lektionen
der Entbindungskunst seines Sohnes, in der doppelten Absicht, alle Zustände
kennenzulernen und mich von allen Apprehensionen gegen widerwärtige Dinge zu
befreien. Ich habe es darin auch wirklich so weit gebracht, dass nichts dergleichen mich
jemals wieder außer Fassung setzen konnte."
(J. W. Goethe, Dichtung und Wahrheit, 2.Teil Insel, Frankfurt a.M. S.337-338) |
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| Andere berühmte Schriftsteller die an Angsterkrankungen
litten
Ernest Hemingway: Der Schriftsteller kämpfte lebenslang mit
Todesängsten, wobei es keine körperlichen Ursachen gab. Es wird
vermutet, daß sich dies in seinen Werken widerspiegelte, in denen er
immer wieder mannhafte, mutige Helden beschrieb. Hemingway beging nach
langer Zeit der Isolation, Trunksucht und Depression schließlich
Selbstmord.
Bertolt Brecht: Er war ein Herzphobiker und glaubte ständig,
einer Herzattacke zu erliegen.
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Eine Empfehlung von Sigmund Freud (der selbst
Panikattacken hatte) |
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Unsere Technik ist an der Behandlung
der Hysterie erwachsen und noch immer auf diese Affektion eingerichtet. Aber schon die
Phobien nötigen uns, aber unser bisheriges Verhalten hinauszugehen. Man wird kaum einer
Phobie Herr, wenn man abwartet, bis sich der Kranke durch die Analyse bewegen
lässt, sie
aufzugeben. Er bringt dann niemals jenes Material in die Analyse, das zur
überzeugen den Lösung der Phobie unentbehrlich ist. Man muss anders vorgehen.
Nehmen Sie das Beispiel des Agoraphoben; es gibt zwei Klassen von solchen, eine leichtere
und eine schwerere. Die ersten haben zwar jedes Mal unter Angst zu leiden, wenn sie auf die
Straße gehen, aber sie haben darum das Alleingehen noch nicht aufgegeben; die anderen
schützen sich vor der Angst, indem sie auf das Alleingehen verzichten. Bei diesen
letzteren hat man nur dann Erfolg, wenn man sie durch den Einfluss der Analyse bewegen
kann, sich wieder wie Phobiker ersten Grades zu benehmen, also auf die Straße zu gehen
und während dieses Versuches mit der Angst zu kämpfen. Man bringt es also zunächst
dahin, die Phobie so weit zu ermäßigen, und erst wenn dies durch die Forderung des
Arztes erreicht wird, wird der Kranke jener Einfälle und Erinnerungen habhaft, welche die
Lösung der Phobie ermöglichen" (Freud 1917, Wege der psychoanalytischen Therapie,
Imago London, GW, Band 12, S. 191). |
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