Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse


Einführung

"Seien Sie vorsichtig beim Lesen von Gesundheitsbüchern, sie könnten an einem Druckfehler sterben" Mark Twain.

Die Suche nach medizinischen Informationen ist glücklicherweise nicht die Hauptbeschäftigung der Menschen, die das Internet nutzen. Kontakte über E-Mail, Reisen, Musik, Hobbys, Sport und Spaß usw. dominieren die Interessen der Onlinegemeinde. Ganze 6% der Internetnutzer eines Tages sind nach eine amerikanischen Untersuchung allerdings auf der Suche nach Infos zu ihren eigenen Krankheiten oder Beschwerden. Die Zuwachsrate an Internetnutzern ist weiter hoch. Internetworldstats

Das Internet bietet dabei inzwischen eine unüberschaubare Vielzahl an medizinischen Informationen, und fast jede medizinische Information ist im Internet erhältlich- oft allerdings gegen Bezahlung. Die Stichwortsuche in einer Suchmaschine hat sich qualitativ in den letzen Jahren erheblich verbessert, weiterhin ist es aber nicht einfach aus der Fülle das Relevante auszusuchen. Zu Stichwörter wie Neurodermitis, Depression, Bandscheibenvorfall oder anderen medizinischen Diagnosen findet man manchmal mehrere Millionen Adressen. Für Depression gab Google am 30.12.2012 ca 339.000.000 Suchergebnisse an. Allgemein wächst die Gesamtanzahl an Internetseiten rasant an. Yahoo hatte bereits 2005 behauptet, 19 Milliarden Dokumente im Suchmaschinenindex zu haben. 2008 meldete Google, man habe nun bereits über eine Billion Webseiten im Index (http://googleblog.blogspot.de/2008/07/we-knew-web-was-big.html).

Eine Bewertung aller Seiten mit medizinischen Informationen im Netz ist unmöglich, auch Suchmaschinen können nicht immer den besseren Seiten den obersten Platz bei der Suche einräumen. Dass unter der Vielzahl der Webseiten auch unseriöse zu finden sind, ist nicht verwunderlich. Google und andere Suchmaschinen können unseriöse Seiten nicht immer erkennen. Teils kommt es auch zu gezielten Manipulationsversuchen an den Google Suchergebnissen durch Betreiber unseriöser Webseiten.

Gefragt nach den Informationsquellen zu Gesundheitsfragen gaben Amerikaner zu (PEW- Internet June 2009)

86% einen Arzt zu fragen.
68% einen Freund oder Angehörigen zu fragen.
57% nutzen das Internet.
54% nutzen Bücher oder andere Printmedien
33% fragen ihre Versicherung.
5% nutzen andere Informationsquellen.

41% der befragten Erwachsenen und 66% der Internetnutzer hatten bisher zu einem Gesundheitsthema recherchiert, 24% nach den Bewertungen ihrer Ärzte oder Behandler gesucht. Nicht nur zahlenmäßig bleiben Ärzte allerdings die vertrauenswürdigste Informationsquelle für Patienten im Internetzeitalter. (siehe auch Arch Intern Med. 2005;165:2618-2624.).

Die Vorteile der Informationsbeschaffung im Internet überwiegen für Ärzte und Patienten sowie Gesunde, die Vorsorge betreiben wollen oder sich einfach informieren wollen, bei weitem die Nachteile. Warnungen sind dennoch weiter angebracht. Es tummeln sich auch Scharlatane aller Gattungen in den Weiten der Netzwelt: Der Nürnberger Arzt Gunter Eysenbach sandte im Jahr 1998 nach Angaben der Zeit ein fingiertes Hilfegesuch per E-Mail an verschiedene Empfänger aus, in dem er lebensbedrohliche Symptome schilderte. Unter den Antworten befand sich unter anderem das Schreiben eines Heilpraktikers, der ihm dazu riet, Regenwasser zu trinken. Zu den seriösen Internetquellen für wissenschaftliches medizinisches Wissen hingegen gehört hingegen sicherlich, wie im Zeit-Artikel zu Recht angemerkt, die Datenbank MedLine. MedLine bietet die Möglichkeit, Artikel aus mehr als 4500 medizinischen Fachzeitschriften zu durchsuchen, es umfasst mittlerweile rund 21 Millionen Artikel (Stand 2012), monatlich kommen mehrere tausend Artikel hinzu. Die Abstracts (Inhaltsangabe / Zusammenfassung) der gefundenen Artikel können in der Regel kostenlos abgerufen werden, die Artikel im Volltext können kostenpflichtig bestellt werden.

Informationen zu Krankheiten über das Internet sind für viele Kranke eine wichtige Ergänzung zur Beratung durch den Arzt geworden. Die Möglichkeit, sich anonym jederzeit ausführlich informieren zu können, wird reichlich und auch erfolgreich genutzt. Fast jeder Internetnutzer sucht auch nach Gesundheitsinformationen, wenn er selbst oder seine Angehörigen gesundheitliche Probleme haben. Die meisten Nutzer profitieren dabei offensichtlich nach eigener Einschätzung erheblich und verbessern dadurch auch den Umgang mit ihren Leiden. Pew Research Center (2000)

Nicht selten steht das Geschäftsinteresse, leider oft verbunden mit Desinformation, im Vordergrund. Ein Arzt kann hier durchaus Seriöses von weniger Seriösem oder gar Scharlatanerie auf Kosten Ihres Geldbeutels und der Gesundheit trennen, ein Laie kann dies oft nicht. Ärzte dürfen keine Werbung machen. Seriöse Ärzte tun dies auch nicht. Das Interesse an Werbung ist bei den meisten Ärzten auch gering. Im Gegensatz dazu existiert ein riesiger Gesundheitsmarkt, in dem massiv geworben wird. Die Ärzte insgesamt würden gleich viel Geld verdienen (unter den derzeitigen Budgetbedingungen), wenn die Anzahl der Erkrankten oder Erkrankungen zurückginge, sie verdienen auch nicht mehr, wenn sie zunehmen. Der Nachteil hierbei ist, dass kostspielige Neuerungen in der Medizin derzeit immer schlechter finanzierbar werden. Andererseits müssen Patienten hier weniger Angst vor "erfundenen" Krankheiten haben, da ihr Arzt sein Geld leichter an gesünderen Patienten verdient. "Erfundene" Krankheiten gibt allerdings weiterhin auch in ärztlichen Praxen, am wahrscheinlichsten dort, wo Sie die spezielle Behandlung selbst bezahlen müssen. Je teurer, um so wahrscheinlicher, dass etwas faul ist. Die problemlose Abrechung auf dem Krankenschein ist die einfachste und sicherste Methode für den Laien, um festzustellen, dass die Behandlung vermutlich seriös ist. 

Dies ist im grauen Gesundheitsmarkt oft umgekehrt. Überall dort, wo Ihre Krankenkasse die Kosten für eine Behandlung nicht übernimmt, ist die Gefahr groß, dass es sich um ein in seiner Wirksamkeit nicht gesichertes Behandlungs- oder Diagnoseverfahren handelt. Im Gegensatz zu den üblichen Behandlungen, die in unabhängigen Studien überprüft wurden und von anerkannten Expertenkommissionen als tauglich eingestuft wurden, müssen Sie überall dort, wo Sie Ihren Geldbeutel zücken müssen, auch selbst die Wirksamkeit und vor allem auch die Nebenwirkungen überprüfen. Dies gilt in besonderem Maße für die Vielfalt des Internets, in der Sie oft nicht einmal den Autor als Person oder mit seiner Adresse erkennen können. Laien sind oft noch nicht einmal die bedeutsamen Unterschiede zwischen Psychiatern, Neurologen, Psychotherapeuten, Psychologen und Heilpraktiker bekannt. Entsprechend schwieriger ist es, ohne fachliche Beratung auf dem fast unendlichen und ständig wachsenden Marktplatz des Internets zu erkennen, was für eine Qualifikation sich hinter einem Angebot befindet.

Ziel dieser Website ist es daher auch, Ihnen den Zugang zu seriösen Informationsquellen zu vereinfachen und Ihnen das Erkennen unseriöser, möglicherweise gefährlicher Desinformation zu erleichtern. Sie werden feststellen, dass sich Wiederholungen bzw. Mehrfachnennungen verschiedener Adressen unter unterschiedlichen Überschriften finden. Absicht dahinter ist, dass Sie sich beim "Durchklicken" von der Übersicht aus direkt dahin bewegen können wo ihr Interesse liegt.

Bitte bedenken Sie immer einen Arztbesuch oder die Stellung einer richtigen Diagnose kann das Internet nicht ersetzen. Entsprechend sind bisher auch keine "Arztbesuche" via Internet möglich. Hiergegen sprechen nicht nur ganz erhebliche juristische Bedenken, für eine ärztliche Behandlung ist immer noch ein persönlicher Kontakt entscheidend. Für die Diagnosenstellung benötigt ihr Arzt alle seine fünf Sinne. Apparative Befunde wie Röntgenbilder oder Laborwerte lassen sich inzwischen per Internet gut übermitteln, zur Stellung einer Diagnose bleiben sie weiterhin nur Hilfsmittel, die ausschließlich in einem Gesamtzusammenhang eine Bedeutung haben. Die meisten Diagnosen werden im ärztlichen Untersuchungsgespräch (Anamnese) gestellt. Auch jede Behandlung muss auf das Individuum abgestimmt werden. Für Menschen mit chronischen Erkrankungen mit ärztlich gesicherter Diagnose kann das Internet aber eine nützliche ergänzende Informationsquelle sein. Diese sollten auch keine Scheu haben, wenn sie neue und interessante Informationen im Netz gefunden haben, diese bei ihrem Arzt anzusprechen. Hier kann es durchaus sein, dass Sie neue Behandlungswege entdeckt haben, die Ihrem Arzt bisher verborgen geblieben sind. Um dies aber wirklich bewerten zu können, sollten Sie seine Erfahrung in Anspruch nehmen.

Ein Artikel zu diesem Thema: "von Eysenbach G, Diepgen TL: Patients Looking for Information on the Internet and Seeking Teleadvice: Motivation, Expectations, and Misconceptions as Expressed in E-mails Sent to Physicians Archives of Dermatology 1999;135:151-156". Dem Autor ist zuzustimmen, wenn er sagt, bei akuten (d.h. nicht chronischen, sondern neu aufgetretenen) medizinischen Problemen sollte man aber immer den Arzt aufsuchen. Wenn man nicht weiß, an welchen Arzt man sich wenden soll oder ob überhaupt, kann initial auch mal das Internet weiterhelfen - ein Anruf beim Hausarzt ist aber unter Umständen einfacher und sicherer! Bei akuten nicht ausreichend diagnostizierten Krankheiten mag folgendes Zitat zutreffen: "Dr. Internet scheint alles wissen und alles heilen zu können", meinte Hartmann Bund -Vorsitzender Dr. Kuno Winn in Hannover. Tatsache sei aber, dass sich dort viele Quacksalber und Abzocker herumtrieben, deren Angebote nicht auf ihre Qualität überprüft werden können. Er empfehle deshalb, Risiken und Nebenwirkungen der Internet-Medizin dadurch zu begrenzen, dass der Patient vor dem Surfen die altbewährte Beratung durch seinen Arzt in Anspruch nehmen möge.

Medikamente sollte man in der Regel nicht im Internet bestellen, und wenn Sie Medikamente im Internet bestellen, sollten Sie ganz sicher sein, dass es ein seriöser Anbieter ist. Neben oft unzureichender Qualität der beworbenen Produkte fehlt vor allem die Indikationsstellung und die korrekte Aufklärung, von Haftungsfragen bei gravierenden Nebenwirkungen abgesehen. Von psychotherapeutischen Behandlungen via Internet rate ich zumindest für absehbare Zeit dringend ab. Auch eine nach allen Regeln der therapeutischen Kunst durchgeführte Psychotherapie mit persönlichem Kontakt kann erhebliche Nebenwirkungen haben (z.B. geht eine gewisse Zahl von Verschlimmerungen bei Depressionen, akuten Schüben bei Psychosen oder Suizide, auch manche später bereuten Ehescheidungen auf falsche therapeutische Interventionen zurück). Das Risiko solcher durchaus gravierender Nebenwirkungen ist über das Internet unverhältnismäßig größer.

Die Informationsgesellschaft macht es mit dem Internet möglich, dass Informationsmonopole von Experten immer weniger bedeutsam sind. Das Internet hat den Zugang zu medizinischer Information auch für Laien auf alle Zeiten hin dramatisch verändert. Die Qualität von Informationen im Internet ist allerdings immer noch sehr unterschiedlich und die Fähigkeit des einzelnen Nutzers die im Internet gewonnenen Informationen zu bewerten und zu nutzen ist noch unterschiedlicher. Bildung und Vorwissen sind entscheidende Variablen, daneben ist allerdings ein Vorwissen zur kritischen Bewertung des Informationsanbieters sehr sinnvoll. Eine Vielzahl von Studien und Bewertungen medizinischer Webseiten ist inzwischen veröffentlicht worden. Die Ergebnisse sind unterschiedlich. Insbesondere Patienten, die nicht erfahren in der Nutzung des medizinischen Internets sind, sollten sich entweder beraten lassen oder unabhängige Bewertungen von Internetseiten bzw. den Rat ihres Arztes nutzen.

Verschiedene Organisationen bieten Spielregeln (codes of conduct), Qualitätsiegel (quality labels) Anwenderführer (user guides), Filter und Zertifikate. Dies ist sinnvoll und nützlich, allerdings teilweise mit erheblichem auch finanziellem und zeitlichem Aufwand für die Betreiber verbunden. Beispiel ist die Health On the Net Foundation (HON) unter www.hon.ch, DISCERN www.discern.de/ intute.ac.uk/ www.urac.org/. Manche Webseiten ändern sich erstaunlich schnell, aus einer hilfreichen Webseite kann schnell auch eine Werbefläche für Zweifelhaftes werden.
 

Die Fragen, die immer gestellt werden müssen sind:

  1. Wer schreibt, was ist seine Qualifikation?
  2. Gibt es Interessenkonflikte- Werbung für Produkte auf der Seite etc.?
  3. Woher kommen die Informationen,- gibt es Quellenangaben?
  4. Gibt es Hinweise auf Leitlinien der Fachgesellschaften, handelt es sich um persönliche Meinungen?

 
Selbsthilfegruppen spiegeln immer die Meinung von Betroffenen Selbsthilfegruppen sollten immer auch Interessenkonflikte offenlegen, nicht wenige Selbsthilfegruppen sind von Pharmafirmen gesponsert, manche sogar von Pharmafirmen gegründet. Oft geht es in Selbsthilfegruppen um die Durchsetzung spezieller Interessen, die nicht unbedingt mit den Interessen des Nutzers identisch sein müssen.
In Internetforen findet man eine repräsentative Gemeinschaft von betroffenen Patienten. Nur ein Teil der an einer Krankheit leidenden benutzt Foren. Je besser der Verlauf der Erkrankung, je besser die ärztliche Aufklärung in der Behandlung, je mehr anderweitig beschäftigt, je älter und je weniger gebildet, umso weniger werden Foren genutzt. Forennutzer sind zudem nicht unbedingt identisch mit Beitragsschreibern. Eine Untersuchung ging der Nutzung von Foren durch Krebskranke in Großbritannien nach. Von den im Forum registrierten Nutzern posteten nur 18% überhaupt einen Beitrag. Nur sehr wenige Nutzer posteten mehr als 5 Beiträge, aber eine Minderheit von Forennutzern postete sehr viele Beiträge. (Journal of Research in Nursing, Vol. 14, No. 1, 13-24 (2009))

Selbstverständlich schließt dies nicht aus, dass die Nutzung eines Forums oder von Selbsthilfegruppen hilfreich ist. Diverse Anwendungen im Web 2.0, Selbsthilfegruppen und Foren übernehmen eine wichtige Funktion in der Gesundheitsfürsorge. Die professionelle Medizin ist hier bisher in einer Beobachter und Bewerterfunktion - eine Einmischung und Nutzung ist langfristig unumgänglich. Nach einer amerikanischen Untersuchung sprachen immerhin 2/3 derer, die gesundheitliche Informationen aus dem Internet bezogen, mit anderen darüber.

Abstimmen ist eine wichtige Methode zur demokratischen Entscheidungsfindung. Abstimmen über medizinische Behandlung im Internet ist nicht immer sinnvoll und kann gesundheitsgefährdend sein. Eine kanadische Studie untersuchte Youtube Filme zu Impfempfehlungen. 153 Videos wurden untersucht, 48% der Videos unterstützten die wissenschaftlich begründeten Impfempfehlungen, 32% waren gegenüber den Impfempfehlungen negativ eingestellt und 20% waren ambivalent. Verglichen mit den positiven Videos erhielten die negativen Videos eine deutlich bessere Bewertung und wurden auch wesentlich öfters angesehen. Videos der öffentlichen Gesundheitsbehörden erhielten die schlechtesten Ratings und wurden am seltensten gesehen. Einige der Videos waren industriegesponsert und/oder nahmen direkten Bezug zu einer Pharmafirma. Fehlinformationen zu Impfungen sind verantwortlich für oft schwere Komplikationen von Kinderkrankheiten und nicht berechtigte Krankheitsängste und Behauptungen. (Keelan J, et al. YouTube as a source of information on immunization: a content analysis. JAMA 2007;298:2482-4).
 

 
Für und Wider der Internetinformationen in der ärztlichen Behandlung
Nutzen Schaden
Kann der Arzt-Patient-Beziehung nutzen Kann der Arzt-Patient-Beziehung schaden
Informiert den Patienten Patient interpretiert die Information falsch oder gerät an nicht korrekte Informationen
Führt zu einer partnerschaftlichen Arzt- Patient- Beziehung auf Augenhöhe Die Autorität des Arztes wird unterminiert
Erleichtert die Mitarbeit und Zufriedenheit des Patienten Patient fühlt sich gefordert und verunsichert
Fördert die Übernahme von Verantwortung durch den Patienten Führt zu Angst und hypochondrischen Befürchtungen beim Patienten
Fördert die Adhärenz Führt zu Konflikten
Fördert bessere Behandlungsentscheidungen Führt zu unrealistischen Erwartungen
Macht die Behandlung effizienter Verlängert die notwendige Zeit bei Behandlungskontakten
Verbessert das Behandlungsergebnis Fördert unzweckmäßige und potenziell teuere und schädliche Behandlungen

 

Kurz zusammengefasste 13 Punkte zu Medizin und Internet:

  1. Das Internet ist für die Informationsbeschaffung und Kommunikation für Ärzte und Patienten unverzichtbar geworden.
  2. Besonders profitieren davon chronisch Kranke und ihre Angehörigen. Zum Beispiel bei Depressionen, Angstkrankheiten, Schizophrenien, MS, Krebs, Essstörungen, Diabetes, Rückenschmerzen usw., sofern zuvor zweifelsfrei eine ärztliche Diagnose gestellt wurde. Bei akuten Symptomen sollte man immer zum Arzt gehen, bevor man den Computer zu Rate zieht.
  3. Das Internet bietet Zugang zu den neuesten Forschungsergebnissen, informiert über Krankheitsvorbeugung, hilft beim Ausfindigmachen von Selbsthilfegruppen, usw. Medizinische Information veraltet schnell und eine Publikation von vor zwei Jahren ist bei der Dynamik der medizinischen Forschung oft schon veraltet, gerade in Bereichen wie Krebs oder AIDS. Gerade deshalb bietet das Internet hier große Vorzüge.
  4. Die im Netz zu erhaltenen Informationen sind oft aktueller als das, was medizinische Lehrbücher oder gedruckte Patientenratgeber bieten. Es gibt aber auch im Netz alte und veraltete Informationen. Eine Bewertung von Informationen aus dem Netz sollte ein Arzt vornehmen. Es kann auch sinnvoll sein, sich einer Newsgroup oder anderen Diskussionsgruppe anzuschließen und deren Hilfe bei der Bewertung der im Netz erhaltenen Informationen in Anspruch zu nehmen. Im Internet sollte man sich mehrfach absichern, d.h. sich über einen Sachverhalt auf mehreren Websites belesen. Dann merkt man recht schnell, wo verschiedene Sichtweisen existieren und welches Außenseitermeinungen und exotische Empfehlungen sind.
  5. Patienten oder medizinische Laien haben es wegen der Fülle der angebotenen Information noch schwerer, Seriöses von nicht Seriösem zu unterscheiden. Übersichtliche deutschsprachige Hilfen bei der Bewertung der Quellen sind erst im entstehen.
  6. Eine Diagnosestellung über das Internet ist gefährlich und nicht seriös.
  7. Eine Behandlung (und das gilt auch für Psychotherapie) über das Internet ist nicht möglich und zumindest bisher als nicht seriös zu bezeichnen. (Was sich durchaus nach genauer Klärung für ganz bestimmte Fälle ändern kann).
  8. Medikamente über das Internet zu bestellen sollte man nur, wenn diese vom Arzt verordnet sind oder man die Medikamente genau kennt. Es sollte nur von seriösen Anbietern bestellt werden.
  9. Wer Ihnen eine Behandlung oder eine Mittel verspricht, das gegen alles hilft und nie schadet, lügt immer. Was helfen kann, kann immer auch Nebenwirkungen haben, wer darüber nicht aufklärt, ist fahrlässig. Was keine Nebenwirkungen haben kann, kann in der Regel auch nicht helfen. Eine Behandlung, die von deutschen Krankenversicherungen nicht bezahlt werden muss, ist oft entweder nicht wirksam oder an der Wirksamkeit bestehen noch erhebliche Zweifel. Anpreisungen wie "wissenschaftlicher Durchbruch", "Wunderheilung", "exklusives Produkt", "Geheimformel", "Vitaminpräparate" oder "XY-Extrakt", "traditionelle Rezeptur" oder gar ausschließlich "biologisch-natürliche" Inhaltsstoffe (übrigens sind auch z.B. Rattengift und Heroin natürliche Produkte) lassen auf unseriöse Geschäfte schließen.
  10. "Cyberdocs" sind im kommen, im Internet kann Sie der Gesetzgeber nicht von einem virtuellen Praxisbesuch abhalten. Der Gesetzgeber kann Sie aber auch nicht vor den Nebenwirkungen oder Betrug wirksam schützen.
  11. Reden Sie über Ihre im Internet gewonnenen Erkenntnisse mit Ihren behandelnden Arzt. Er wird sich die Zeit nehmen, Ihre Informationen zu bewerten, manchmal vielleicht auch etwas neues von Ihnen lernen können. Vielleicht ist die Diskussion mit dem gut informierten Kranken für ihn manchmal anstrengender als mit anderen Kranken, er wird Ihnen dennoch helfen Ihre Informationen angemessen zu bewerten.
  12. Der informierte Kranke kann besser an seiner Genesung mitwirken, wird oft schneller gesund und kann besser mit seiner Erkrankung umgehen
  13. Einer Umfrage zufolge wurde die Hälfte der Nutzer in den USA gern mit ihrem Arzt per E-Mail kommunizieren. Das erwarten Web-Unternehmer auch von den Deutschen.

Einige Artikel mit Erwähnung der Praxishomepage

  1. Eichenberg, Christiane Recherche zu hyperkinetischen Störungen: Häufigste psychische Störung bei Kindern PP 6, Ausgabe April 2007, Seite 173
  2. Eichenberg, Christiane; Portz, Kareen Internet-Recherche zu psychischen Erkrankungen im Alter: Informationen für Experten, Betroffene und Angehörige PP 5, Ausgabe April 2006, Seite 174
  3. Internet-Recherche zu affektiven Störungen: Umfassende Informationen PP 4, Ausgabe November 2005, Seite 509 WISSENSCHAFT
  4. Prognos Patienteninformationen für verschreibungspflichtige Medikamente in Deutschland 2008
  5. Eichenberg, Christiane; Abitz, Karin Recherche zu Entspannungstechniken und hypnotherapeutischen Verfahren: Konzentration schulen, beruhigen und Wohlbefinden steigern
    PP 7, Ausgabe September 2008, Seite 410 THEMEN DER ZEIT
  6. Eichenberg, Christiane; Portz, Kareen Internet-Recherche zu sozialen Ängsten: Soziale  Isolierung überwinden helfen PP 4, Ausgabe Juni 2005, Seite 270 WISSENSCHAFT
  7. Eichenberg, Christiane Internet-Recherche zur Verhaltenstherapie: Großes Angebot PP 4, Ausgabe Januar 2005, Seite 35 WISSENSCHAFT
  8. Elisabeth Althaus, Nach dem Terror: Bewältigung der psychischen Folgen Psychotherapeut 2002 - 47:47
  9. Laszig, Parfen; Rieg, Kathy Recherche zu Zwangsstörungen: Wissenschaftliche Projekte im Internet selten PP 3, Ausgabe September 2004, Seite 418 WISSENSCHAFT
  10. Eichenberg, Christiane Internet-Recherche: Somatoforme Störungen PP 3, Ausgabe April 2004, Seite 171 WISSENSCHAFT
  11. Eichenberg, Christiane Internet-Recherche: Sexuelle Störungen Dtsch Arztebl 2001; 98(41): [20] Supplement: Praxis Computer
  12. Eichenberg, Christiane Internetrecherche zu sexuellen Funktionsstörungen: Wenig Ressourcen  zu frauenspezifischen Themen PP 4, Ausgabe September 2005, Seite 418 WISSENSCHAFT
  13. Eichenberg, Christiane Psychische Störungen im Internet: Leichter Zugriff PP 1, Ausgabe Januar 2002, Seite 34 WISSENSCHAFT
  14. Christiane Eichenberg, Kareen Portz Angststörungen: Information und Intervention online PiD 4− 2005 452-58
  15. Christiane Eichenberg, Karin Abitz Somatoforme Störungen: Informationen aus dem Internet PiD 3 −2008 297-302

Die Homepage in Büchern zitiert bei Google Books suchen

 

Artikel zum Stand der Internettherapie, Nutzung des Internet durch Patienten, Bewertung von Internetseiten

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