Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

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Rückenschmerz Seite 25

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Wenn Rückenschmerzen im Rahmen der Periode regelmäßig auftreten, sollte auch und besonders wenn neurologische Ausfälle wie Lähmungen oder Gefühlsstörungen vorliegen, an eine Endometriose gedacht werden.
Eine Endometriose ist das Vorhandensein funktionierender Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter. Froedtert.com berichtet anschaulich über einen Befall des Ischiasnerven mit einer Endometriose und daraus folgenden Lähmungen und Schmerzen im Rahmen der Periode. Die Behandlung kann bei Frauen die keinen Kinderwunsch mehr haben in einer reinen Hormontherapie bestehen. Bei Absetzten der Hormonbehandlung nach 3 Jahren ist immerhin in mehr als einem Drittel der Fälle mit einem Wiederauftreten der Beschwerden zu rechnen. Eine nicht ganz einfache chirurgische Behandlung im Kombination mit einer Hormontherapie hat bessere Aussichten.
Da Bandscheibenvorwölbungen auch bei beschwerdefreien Menschen sehr häufig sind, ist es beim Auftreten von Rückenschmerzen immer besonders wichtig, auch an die anderen möglichen Ursachen zu denken.  In einer Literaturübersicht wurden immerhin ein Drittel der Patientinnen bei denen eine Endometriose die Ursache der Rückenschmerzen war, unnötig und ohne Erfolg an der Bandscheibe operiert. Dies auch mit dem Risiko, dass der Nervenschaden durch die Endometriose inzwischen nicht mehr reparabel war.

 

Häufigkeit von Bandscheibenprotrusionen und Vorwölbungen bei Menschen ohne Beschwerden- was sagen Untersuchungen?

The New England Journal of Medicine -- July 14, 1994 -- Vol. 331, No. 2

Magnetic Resonance Imaging of the Lumbar Spine in People without Back Pain

Maureen C. Jensen, Michael N. Brant-Zawadzki, Nancy Obuchowski, Michael T. Modic, Dennis Malkasian, Jeffrey S. Ross
Abstract
Hintergrund: Die Beziehung zwischen Abnormalitäten der Lendenwirbelsäule und Kreuzschmerzen ist Kontrovers. Wir untersuchten die Häufigkeit des Vorkommens von Auffälligkeiten in Kernspintomogrammen  der Lendenwirbelsäule bei Menschen ohne Rückenschmerzen.
Methode. Es wurde bei 98 asymptomatischen (beschwerdefreien) Menschen ein Kernspin durchgeführt. Die Scans wurden von 2 Neuroradiologen unabhängig von einander befundet, die die klinischen Daten und Befunde der Patienten nicht kannten. Um die Möglichkeit eines Bias beim Befunden der Bilder auszuschließen wurden die Bilder von 27 Menschen mit Rückenschmerzen in zufälliger Reihenfolge in die beschwerdefreier Menschen hineingemischt. Es wurden folgende standardisierte Begriffe verwendet um die Auffälligkeiten der Bandscheibe im Lendenwirbelbereich zu charakterisieren: : normal,  Vorwölbung(bulge) = (runde symmetrische Extension der Bandscheibe über den Zwischenwirbelraum hinaus), Protrusion = (fokale oder asymmetrische Extension der Bandscheibe über den Zwischenwirbelraum hinaus), und Vorfall = (extreme Extension der Bandscheibe über den Zwischenwirbelraum hinaus).  Nicht auf die Bandscheiben zurückgehende knöcherne Auffälligkeiten (Nonintervertebral disk abnormalities), wie Facettengelenksarthosen wurden ebenfalls dokumentiert.
Ergebnisse. 36% der 98 asymptomatischen Menschen hatten normale Bandscheibenverhältnisse in allen Etagen. Im Durchschnitt der beiden Befunder hatten, 52 % eine Vorwölbung (bulge) in mindestens einer Ebene,  27 % eine Protrusion, und 1% einen Vorfall. 38% hatten eine Abnormalität in mehr als einer Bandscheibe. Die Praevalenz von Vorwölbungen (bulges) aber nicht von Protrusionen, nahm mit dem Alter zu. Die häufigste nicht auf die Bandscheiben zurückzuführende Abnormalität waren Schmorl'sche Knoten (Herniationen der Bandscheibe in den Wirbelkörper), die bei 19 % gefunden wurden; annuläre Defekte (Bruch des äußeren Faserrings der Bandscheibe) bei  14 %; und Facettengelenksarthosen (degenerative Erkrankung des hinteren Gelenks der Wirbel) bei 8 %. Es gab keine Unterschiede zwischen Männern und Frauen.
Schlussfolgerung der Untersucher: .Bei Kernspinuntersuchungen der LWS haben viele beschwerdefreie Menschen ohne Rückenschmerzen Vorwölbungen oder Protrusionen. Dies gilt nicht für Vorfälle der Bandscheiben. Angesichts der Häufigkeit solcher Befunde unter Beschwerdefreien ist davon auszugehen, dass die Entdeckung einer Bandscheibenvorwölbung oder Protrusion bei Menschen mit  Rückenschmerzen  häufig zufällig und ohne Zusammenhang zu den Beschwerden ist. (N Engl J Med 1994;331:69-73.)

 

 

Grad der Behinderung im Schwerbehindertenrecht aus den
"Anhaltspunkten für die ärztliche Gutachtertätigkeit im sozialen Entschädigungsrecht und nach dem Schwerbehindertengesetz" (1996)

 
Wirbelsäulenschäden GdB

ohne Bewegungseinschränkung oder Instabilitat 

0

mit geringen funktionellen Auswirkungen (Verformung, rezidivierende oder anhaltende Bewegungseinschränkung oder Instabilität geringen Grades, seltene und kurzdauernd auftretende leichte Wirbelsäulensyndrome) 

10

mit mittelgradigen funktionellen Auswirkungen in einem Wirbelsäulenabschnitt (Verformung, häufig rezidivierende oder anhaltende Bewegungseinschränkung oder Instabilität mittleren Grades, häufig rezidivierende und Tage andauernde Wirbelsäulensyndrome)  

20

mit schweren funktionellen Auswirkungen in einem Wirbelsäulenabschnitt (Verformung, häufig rezidivierende oder anhaltende Bewegungseinschränkung oder Instabilität schweren Grades, häufig rezidivierende und Wochen andauernde ausgeprägte Wirbelsäulensyndrome)  

30

mit mittelgradigen bis schweren funktionellen Auswirkungen in zwei Wirbelsäulenabschnitten 

30-40

mit besonders schweren Auswirkungen (z.B. Versteifung großer Teile der Wirbelsäule; anhaltende Ruhigstellung durch Rumpforthese, die drei Wirbelsäulenabschnitte umfaßt, z.B. Milwaukee-Korsett; schwere Skoliose [ab ca. 70° nach Cobb])  

50-70

bei schwerster Belastungsinsuffizienz bis zur Geh- und Stehunfähigkeit  

80-100
Anhaltende Funktionsstörungen infolge Wurzelkompression mit motorischen Ausfallserscheinungen - oder auch die intermittierenden Störungen bei der Spinalkanalstenose - sowie Auswirkungen auf die inneren Organe (z. B. Atemfunktionsstörungen) sind zusätzlich zu berücksichtigen.
Bei außergewöhnlichen Schmerzsyndromen können auch ohne nachweisbare neurologische Ausfallserscheinungen (z. B. Postdiskotomiesyndrom) GdB/F-Werte über 30 (7) in Betracht kommen.
Das neurogene Hinken ist etwas günstiger als vergleichbare Einschränkungen des Gehvermögens bei arteriellen Verschlußkrankheiten zu bewerten.

 

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