Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

    Suche  Inhaltsverzeichnis  Glossar: A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y

home-brt.gif (1287 Byte)

Tinnitus - Mythen und Fakten

Machen Sie Ihren Tinnitus nicht zum Lebensmittelpunkt. Und ziehen Sie sich nicht zurück- Es wird dadurch garantiert schlimmer! "Überhören" und "Weghören" lässt sich lernen.

Die meisten Erwachsenen haben irgendwann in ihrem Leben einen Tinnitus. Etwa 40% der Bevölkerung geben vorübergehende Ohrgeräusche an, bis 17% leiden an chronischen Ohrgeräuschen.  7% aller Erwachsenen war bereits wegen Ohrgeräuschen beim Arzt, bei vielen von ihnen haben sie zeitweise zu einer massiven Beeinträchtigung der Lebensqualität geführt. Nur 10 bis 15 % der Betroffenen leiden unter ihrem Tinnitus, dies trifft bei etwa 12 % aller Männer ab 65 zu, 0,5% der Erwachsenen sind durch einen hochgradigen Tinnitus schwer beeinträchtigt.
Die anderen kommen gut mit ihm aus
. Viele Menschen mit Tinnitus glauben, dass sie an einer schweren körperlichen Erkrankung leiden. Diese Annahme ist in der Regel falsch. Tinnitus kommt in jedem Alter vor, auch bei Kindern. Die Häufigkeit nimmt aber mit dem Alter zu. Durchschnittlich gehen Menschen erst nach 5-8 Jahren wegen ihrem Tinnitus zum Arzt.
Die Zahl derer, die angeben, ihr Tinnitus sei nach einem emotionalen Ereignis oder einer Stress-Situation aufgetreten, ist sehr viel höher ist als die Zahl jener, die ein körperliches Ereignis nennen können. Manchmal breitet sich Tinnitus bei vorhandenen psychosozialen Stressoren epidemisch beispielsweise am Arbeitsplatz aus. Bisher steht der Wirksamkeitsnachweis für alle medizinischen Behandlungen aus. ALAN H. LOCKWOOD et al Tinnitus,  N Engl J Med, Vol. 347, No. 12, September 19, 2002, Heller AJ (2003) Classification and epidemiology of tinnitus. Otolaryngol Clin North Am 36(2):239–248, Coles RRA, Davis AC, Haggard MP (1981) Epidemiology of tinnitus. In: Evered D, Lawrenson G (eds) CIBA Foundation Symposium, vol. 85. Pitman, London, pp 14–34. M. Franz et al. Tinnitus als soziale Infektion? Psychotherapeut 2005; 50:318–327

Um keine dringlich behandelbaren Erkrankungen zu übersehen wird unterschieden zwischen einem objektiven Tinnitus (pulsatil) Glomustumor, Gefäßstenosen, hochstehender Bulbus, Carotisstenose, AV- Missbildungen, Pseudotumor cerebri,  Herzklappenerkrankungen, Anämie mit erhöhtem kardialem Output, Hyperthyreose...
nicht pulsatil (muskulär, anatomisch oder spontan) Palataler Myoklonus, Spasmus des M. stapedius oder M. tensor tympani, Ventilationsstörung der Eustachischen Röhre
Spontanen Otoakoustische Entladungen und einem subjektiven Tinnitus. Selten ist es wirklich die Grille oder Kakerlake im Ohr, dass auch das vorkommt zeigt ein kurioser Bericht. Reiss M, Reiss G: Akuter Tinnitus  Schweiz Med Wochenschr 2000;130:84. Subjektiver Tinnitus ist aber der häufigste Fall um den es hier hauptsächlich geht.
 

Tinnitus ist keine Krankheit! Tinnitus ist ein Symptom, vergleichbar dem Schmerz.  Tinnitus bedarf medizinischer Abklärung um keine andere Krankheit zu übersehen, auch wenn keine gut gesicherte Behandlung des Tinnitus an sich vorhanden ist, so sind doch Begleiterkrankungen oft behandlungsbedürftig.

Nicht das Symptom Tinnitus muss vordringlich behandelt werden, sondern die Ursachen und manchmal die Folgen. Das Wort Tinnitus kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „Klingeln, Geklingel“, abgeleitet vom Verb „tinnire“. Subjektiver Tinnitus ist letztlich eine Fehlwahrnehmung. Als Tinnitus werden gehörte Wahrnehmungen (Hörereignisse) bezeichnet, denen keine tatsächlichen akustischen Signale aus der Umwelt (Schallereignisse) entsprechen und die keinen Informationswert für den Betroffenen besitzen. 37% hören ein Klingeln, beschrieben sind aber alle Arten von Tönen über Surren, Zirpen, Hämmern, Klopfen Pfeifen .. In einer Untersuchung gaben ein Drittel der Befragten an, ihr Geräusch sei auf einer Lautheitsskala von 0-10 bei 8 oder höher. Die empfundene Lautheit korrespondiert nicht mit der Beeinträchtigung..( Stouffer JL, Tyler RS. Characterization of tinnitus by tinnitus patients.J Speech Hear Disord 1990;55:439-53).

Wie viele der Tinnituspatienten schwerhörig sind, ist nicht genau bestimmbar, man geht aber davon aus, dass dies ein höherer Prozentsatz ist. Tinnitus ist nicht physikalisch messbar, er wird nur vom betroffenen Menschen wahrgenommen. Es gibt bis heute keine Methode, mit der man objektiv bestimmen kann, ob jemand ein Ohrgeräusch hat oder wie laut dieses ist. Am ehesten ist dies noch durch wiederholte Messungen mit Vergleich der Tonhöhe die angegeben wird möglich.  Chronischer Tinnitus wird nach derzeitiger Kenntnis  im Gehirn erzeugt. Man kann sich vorstellen, dass Tinnitus durch ein lautes und unangenehmes Geräusch oder einen anderen Schaden an den Haarzellen des Höhrorgans entstehet und das Gehirn sich merkt, dass der Schädigungsmechanismus mit dem Tinnitus zusammengehört. Treten ähnliche laute Geräusch oder Situationen auf, erinnert sich das Gehirn an den Tinnitus. Jede Erinnerung an oder Konzentration auf den Tinnitus löst diesen dann besonders stark aus.  Eine pathologische Aktivierung von Haarzellen im Innenohr scheint nicht, wie vielfach angenommen wurde, die Ursache des Tinnitus zu sein. Der Gedanke, dass Tinniuts im Ohr entsteht erscheint auf den ersten Blick logisch, sind doch Schäden an den Haarzellen der Schnecke des Innenohres sehr häufig. Alleine auch Menschen, mit kompletter Durchtrennung des Hörnerven leiden häufig unter Tinnitus. Bei diesen Menschen wäre eine Empfindung, die aus einer Schädigung Ohr resultiert nicht möglich.  Möglicherweise  gibt es zwei Gruppen von Ohrgeräuschen. Die erste Gruppe wird ursprünglich („primär“) im Gehirn erzeugt: Beispielsweise, wenn man bei einem Unfall eine Gehirnerschütterung erlitten hat. Eine solche primäre Entstehung ist sehr selten. In der zweiten Gruppe, entsteht der akute Tinnitus durch eine Schädigung im Ohr, verantwortlich für sein ständiges chronisches Vorhandensein ist auch hier das Gehirn. Nach den Ergebnissen von Forschern aus Darmstadt in Tierversuchen bleibt Tinnitus eine Hörempfindung, die allerdings nicht von einem akustischen Signal (Geräusch aus der Umgebung) ausgelöst wird, sondern durch Selbstaktivierung des Hörsystems zustande kommt und von den Betroffenen als reales, oft störendes Geräusch empfunden wird. Tierversuche legen nahe, dass nicht die Aktivierung, sondern die Unterdrückung von Haarzellaktivität der Auslöser für Tinnitus ist. Am ehesten kommt es bei Mensch und Tier zu Tinnitus, wenn akuter Stress mit einer zeitnah aufgetretenen Hörstörung zu einer Aktivierung der Hörrinde im Gehirn führt. (Versuche von Langner et al.). Die dem Tinnitus entsprechende neuronale Aktivität und damit das Ohrgeräusch selbst entsteht erst im zentralen Hörsystem des Gehirns. Vermutlich nutzt das Gehirn die Verstärkung und Filterung von Signalen vorgesehenen Mechanismen wie Hemmung und nicht-lineare Rückkopplung der Kompensation eines Höreinbruchs. Wird die Rückkopplung (unter dem Einfluss aktivierter Hirnteile, die für Emotionen zuständig sind), übermäßig stark, scheint es in der Hörrinde des Gehirns zur Überkompensation der Hörstörung (Hyperarousal mit Suche nach der hörbaren Gefahr) und damit zu einem Tinnitus zu kommen. Ähnliche Überlegungen liegen auch den gegenwärtig erfolgreichsten Tinnitustherapien zugrunde. (Elisabeth Wallhäusser-Franke und Gerald Langner Neuroforum 1/01 21)

Funktionelle Kernspinaufnahmen und PET Bilder zeigen bei Tinnituspatienten eine ständige Aktivierung in der Hörrinde.  Obwohl der Mechanismus unklar ist, klagen Menschen nach Schleudertraumen vermehrt über Tinnitus und empfinden den Tinnitus auch als lauter. Solche Patienten berichten auch über mehr Konzentrations-, Gedächtnis-, und Denkschwierigkeiten, sie sind in der Regel auch depressiver als andere Tinnituspatienten. Der Mechanismus ist hier unklar, möglicherweise spielen Ängste und laufende Entschädigungsverfahren eine ungünstige chronifizierende Rolle.

 Lockwood AH, Wack DS, Burkard RF, et al. The functional anatomy of gaze-evoked tinnitus and sustained lateral gaze. Neurology 2001;56: 472-80.  Reyes SA, Salvi RJ, Burkard RF, et al. Brain imaging of the effects of lidocaine on tinnitus. Hearing Res. Mühlnickel W, Elbert T, Taub E, Flor H. Reorganization of auditory cortex in tinnitus. Proc Natl Acad Sci U S A 1998;95:10340-3. Andersson G, Lyttkens L, Hirvela C, Furmark T, Tillfors M, Fredrikson M. Regional cerebral blood flow during tinnitus: a PET case study with lidocaine and auditory stimulation. Acta Otolaryngol 2000;120:967-72. Elisabeth Wallhäusser-Franke und Gerald Langner, Phantomgeräusche: Zentralnervöse Mechanismen von Tinnitus NWG.,  1/02.. Robert L. Folmer, PhD; Susan E. Griest, MPH,  Chronic Tinnitus Resulting From Head or Neck Injuries,  The Laryngoscope 2003; 113(5):821-827 Wallhausser-Franke E, Mahlke C, Oliva R, Braun S, Wenz G, Langner G, Expression of c-fos in auditory and non-auditory brain regions of the gerbil after manipulations that induce tinnitus. Exp Brain Res. 2003 Dec;153(4):649-54. Epub 2003 Sep 24. (Medline) Wallhausser-Franke E, Braun S, Langner G.,  Neuroreport. 1996 Jul 8;7(10):1585-8. Salicylate alters 2-DG uptake in the auditory system: a model for tinnitus? (Medline)



Wie ausgeführt wird Sehr viel häufiger von der Vorstellung ausgegangen, dass ein zentrales Ohrgeräusch seinen Ursprung im Ohr hat. Dies kann durch eine Vielzahl von Faktoren getriggert werden. Als Triggerfaktoren kommen auch Geräuschquellen durch pathologische Vorgänge in Betracht. Eine Fehlinformation aus dem Ohr kommt in das Gehirn und geht dort in einen Regelkreis hinein. Wenn dies nur wenige Male passiert, die Ursache wegfällt, oder es uns nicht sonderlich stört,  bleibt dieser unbedeutend. Wenn der Tinnitus aus dem Ohr jedoch lange oder intensiv genug dauert,  oder wir beispielsweise schon bei ersten Anzeichen in Panik geraten und eine chronische schwere Krankheit befürchten, kann sich der zentrale Regelkreis verselbstständigen. Hören führt immer zu einer Veränderung der Synapsen und Verbindungen im zentralen Hörsystem des Gehirns. Auch wenn die Ursache im Ohr aufhört, läuft der zentrale Regelkreis trotzdem weiter. Man spricht dann von „zentralisiertem Tinnitus“.  Ein störender Tinnitus entsteht dann durch Störungen in der Reizverarbeitung in der Hörrinde im Temporallappen (Schläfenlappens des Gehirns).   Der Tinnitus kann später unabhängig von solchen Faktoren anhalten oder gar zunehmen. Letztlich liegt dem Ganzen damit eine fehlende oder fehlerhafte Hemmung zu Grunde. Der Mechanismus dieser Verselbstständigung des Symptoms ist ähnlich den bei chronischen Schmerzen, Panikattacken oder Zwangsstörungen bekannten Mechanismen. Sehr gut vergleichen kann man Tinnitus von der Entstehung her mit Phantomschmerzen. Auch Menschen mit einem Phantomschmerz haben am amputierten Gliedmaßen weiter Schmerzen und Missempfindungen.  Die Betroffenen nehmen verschiedenartigste Geräusche wahr: Picken, Pochen, Brausen, Brummen, Summen, Rauschen, Schwirren, Säuseln, Zischen, Kochen, Knarren, Knistern, Knacken, Läuten, Pfeifen, Singen, Klingen..... . Ob Tinnitus zunimmt oder durch größeres Interesse der Medien einfach häufiger diagnostiziert wird ist offen.  Bei vielen besteht gleichzeitig eine Überempfindlichkeit gegen laute Töne oder Geräusche (Hyperakusis). Wie stark ein Patient durch den Tinnitus beeinträchtigt wird, ist individuell sehr unterschiedlich. Einige empfinden die Ohrgeräusche zwar als störend und unangenehm, werden dadurch jedoch nicht in ihrer Wahrnehmungswelt und Leistungsfähigkeit beeinträchtigt (kompensierter Tinnitus). Wird der Patient infolge der ständigen Wahrnehmung der Ohrgeräusche in seiner geistigen, psychischen und körperlichen Leistungsfähigkeit erheblich beeinträchtigt und unter Umständen krank und arbeitsunfähig, bezeichnet man dies als dekompensierten Tinnitus. 

Da Tinnitus durch Störungen im Verlauf der gesamten Hörbahn entstehen kann und Ausdruck von krankhaften Prozessen im Gehörgang, Mittelohr, Innenohr, dem Nervus vestibulochochlearis, dem Hirnstamm, der Hörbahn oder der Hörrindesein kann, sind manchmal (je nach Vorgeschichte und klinisch neurologischem oder HNO- Befund) umfangreiche diagnostische Maßnahme zum Ausschluss einer behandlungsbedürftigen Grunderkrankung erforderlich. Solche Untersuchungen können eine Kernspintomographie Schädels, AEP, HNO-ärztliche Spiegelung, Audiometrie, Kalorikprüfung und Elektronystagmographie, Ultraschalluntersuchung der extra- und intracraniellen hirnversorgenden Arterien (Dopplersonographie) erforderlich werden. 

vorab

Wenn Sie unter Tinnitus leiden - lassen Sie sich nicht zusätzlich verrückt machen. In den meisten Fällen findet sich keine Ursache, es handelt sich meist um ein harmloses, vorübergehendes Phänomen. Je ernster sie es nehmen um so schlimmer wird es. Die wichtigste Behandlung ist die umfassende Erklärung über die Tinnitusentstehung, Beratung und positive ärztliche Führung, um den Patienten Ihre Ängste und Befürchtungen zunehmen und eine phobische Weiterentwicklung und Hypersensitivität gegenüber Geräuschen besonders dem Tinnitus zu verhindern.

 

Im Gegensatz zu häufigen Annahmen ist das Leiden am Tinnitus wenig davon abhängig, wie hoch oder wie laut der Ton ist. Die Beeinträchtigung durch den Tinnitus ist am größten bei Menschen, die durch ihre Behinderungen in der körperlichen Beweglichkeit eingeschränkt sind, bei Menschen, die zuvor bereits unter Schlafstörungen litten, bei Schmerzpatienten, Menschen mit Depressionen, sozialer Isolierung oder psychiatrischen Krankheiten. Die Behandlung dieser begleitenden Störungen bietet eine gute Aussicht auf eine Verminderung des Leidens am Tinnitus. Meikle MB, Vernon J, Johnson RM. The perceived severity of tinnitus: some observations concerning a large population of tinnitus clinic patients. Otolaryngol Head Neck Surg 1984;92:689-96 Holgers KM, Erlandsson SI, Barrenas ML. Predictive factors for the severity of tinnitus. Audiology 2000;39:284-91.  Sullivan M, Katon W, Russo J, Dobie R, Sakai C. A randomized trial of nortriptyline for severe chronic tinnitus: effects on depression, disability, and tinnitus symptoms. Arch Intern Med 1993;153:2251-9.  Folmer RL, Griest SE, Meikle MB, Martin WH. Tinnitus severity, loudness, and depression. Otolaryngol Head Neck Surg 1999;121:48-51.

Zitat: "Tinnitophobie: Durch übertreibende Publikationen in der Laienpresse ist die Bevölkerung seit Jahren auf das Thema „ Tinnitus “ aufmerksam geworden. Dramatisierende Aufsätze in Illustrierten, Fernsehen usw. haben zu einer Verängstigung der Bevölkerung geführt, die im Tinnitus teilweise die schlimmste aller Erkrankungen sieht. Demzufolge besteht bei vielen Menschen die Angst, irgendwann einmal Tinnitus zu bekommen und daran zugrunde zu gehen." DOI 10.1055/s-0029-1220715, Laryngo-Rhino-Otol 2009; 88:449– 458

Der übliche Verlauf:

Als Notfall werden Sie zu einer nachgewiesenermaßen wirkungslosen Infusionstherapie gedrängt, vielleicht sogar einer Sauerstoffüberdruckbehandlung. Effekte liegen in Studien auf dem Placeboniveau- das heißt nicht dass es dabei nicht besser werden kann, - vermutlich aber nur dann, wenn es von alleine ebenfalls  besser geworden wäre.   Wenn es nicht besser wird, dann kann man zunächst alles mehrfach wiederholen. Nachdem Sie nun so lange Notfall waren, bieten Ihnen in der Regel die selben Ärzte eine Regtrainingtherapie an. Dort bekommen Sie erklärt, dass Tinnitus harmlos ist. Die wirkungslose Notfallbehandlung (oft genug in der Klinik) bezahlt die Kasse. Die komplizierten Erklärungen, dass Tinnitus harmlos ist und Sie nur weghören lernen müssen, müssen Sie jetzt selbst bezahlen. Diese helfen tatsächlich. Notwendig geworden sind sie aber oft nur, weil man Ihnen lange genug eingeredet hat, dass Sie eine schlimme Krankheit haben.  

 

Die Cochlea oder das Innenohr ist ein sehr lauter Ort. Dort sind ständige mechanischen und elektrischen Aktivitäten der 17,000 Haarzellen vorhanden. Diese kann man heute auch mit moderner Technik darstellen.  Das bewusste Hören geschieht im Gehirn. Dort werden die elektrischen Impulse aus den 30000 Fasern des Hörnerven wahrgenommen und nach Vergleich mit gespeicherten oder erinnerten anderen akustischen Signalen interpretiert und wahrgenommen. Das meiste was wir hören sind Klangsequenzen wie bei der Sprache oder der Musik. Vom Säuglingsalter an legen wir eine Sammlung von Hörwahrnehmungen, die uns später das Erkennen von Lauten erlaubt. Erst durch die Verbindung mit den Hörerinnerungen können wir wirklich hören und auch das Gehörte weiter verarbeiten und analysieren oder genießen.  Erst im Gehirn kann so aus Geräuschen Sprache oder eine Melodie werden. Geräusche sind enorm wichtig um unsere Umwelt wahrzunehmen und zu analysieren. Dabei stellt sich unser Gehör auf unsere Bedürfnisse ein. Bei Gefahr hören wir besser und sondern auch mehr gefahrenspezifische Geräusche aus. Tiere, die in ihrer natürlichen Umwelt besonderen Gefahren ausgesetzt sind, haben meist eine besonderes "Gehör" dafür. Gefahrengeräusche lösen bei diesen Spezies dann auch sofort Angstsymptome und Überlebensreflexe aus. Wir reagieren genauso. Auf eine laute Hupe hin erschrecken wir und gehen sofort von der Straße den Schritt auf den Gehweg zurück. Geräusche werden immer auf ihre emotionale Bedeutung untersucht und bewertet. Ob dies nun angenehm wie bei Musik, der Stimme von Freunden oder die Sicherheit gebenden Stimme der Mutter beim Kind ist, immer steht die Wahrnehmung in direkter Verbindung auch zur emotionalen Interpretation. In Folge dieser Interpretation bilden wir Konditionierungen. Reflexartig reagieren wir auf bestimmte akustische Reize. Experimente zeigen, dass das wahrgenommene Geräusch bei Versuchspersonen im Schallisolierten Raum dem der Tinnituspatienten entspricht. Unterschied ist hier nur, dass es 85% der Versuchpersonen im Gegensatz zu Tinnituspatienten nicht stört. Wie bei den Tieren in Gefahr ist es bei Tinnituspatienten so, dass weil sie im Tinnitus eine Gefahr oder Bedrohung sehen, sie ständig und sehr sensibel auf den Tinnitus hören. Wie bei einer Phobie versuchen sie dem Tinnitus aus dem Weg zugehen. Letzteres lässt ihn meist intensiver werden. Es ist also eine Art Selbstschutz der gegen das falsche Signal eingesetzt wird.  Dies ist für Tinnituspatienten oft schwer nachvollziehbar. Der Ärger über die Vielzahl unwirksamer Behandlungen akzentuiert diese Schwierigkeit das Problem zu verstehen, manchmal befürchten Betroffene nicht ernst genommen zu werden.  Die Auskunft zunächst mit dem Tinnitus leben zu lernen, scheint zunächst schwer zu akzeptieren, scheint es doch wie eine Kapitulation und der Erfolg scheint nicht vorstellbar.

 

"Retraining-Therapie“, ist eine Form der akustischen Ablenkungs-Behandlung. Dies ist bisher die einzige wissenschaftlich fundierte Therapiemethode mit wissenschaftlichem Nachweis eines bis zu 80 % Effektes, sie wurde von Prof. Jastreboff und Prof Hazell ( http://www.tinnitus.org )   entwickelt. Kritisiert wird allerdings von unabhängigen Autoren, dass vernünftige  Plazebostudien fehlen und unzureichend zwischen den Effekten der einzelnen Therapiemodule unterschieden werden kann. Dauer meist 15-18 Monate, kosten nicht unerheblich. Ziel ist zunächst die Beseitigung der emotionalen Auswirkungen des Tinnitusgeräusches, hierdurch besteht die beste Aussicht auf eine Beendigung der Tinnituswahrnehmung. Das Retraining beginnt mit der Information darüber, dass Tinnitus keine Krankheit des Ohres (was ihnen oft genug der selbe Arzt zuvor beigebracht hat) ist, sondern eine Fehlverarbeitung von Hörimpulsen im Gehirn. Wir hören mit dem Gehirn und nicht mit den Ohren. Es wird dem Patienten klar gemacht, dass die Abkoppelung des Unterbewusstseins und der Wahrnehmung von den lästigen Ohrgeräuschen das Ziel der Therapie ist. Der Mensch reagiert auf ein unbekanntes Geräusch zunächst immer mit erhöhter Aufmerksamkeit. Tinnitus ist zu Beginn immer auch ein Warnsignal. Dadurch kommt es manchmal zu einer Stressreaktion, die sich verselbstständigen kann und so den Tinnitus verschlimmern kann. Wird dieser Prozess nicht durchbrochen,   kann dies allgemeiner  Erschöpfung führen.  Manchmal auch ein Hinweis, dass wir uns körperlich oder seelisch übernommen haben. Solche Ursachen sollten im Einzelfall auch gesucht und an einer Veränderung gearbeitet werden.

Wenn Sie anfangen sich über laute Geräusche vom Nachbarn zu ärgern, werden sie auf diese Wahrnehmung fokussieren. Sie werden diese Geräusche immer besser hören, sie werden darauf sensibilisiert. Immer leiserer Geräusche fangen an Sie zu stören. Wird daraus ein Streit, wird die oft eine unendliche Spirale daraus. Ähnlich würde es Ihnen gehen, wenn sie sich über die Geräusche Ihrer Heizung, des Straßenlärms oder des Kühlschrankes ärgern. Spontan ist es also normal, dass man sich einem Ohrgeräusch zuwendet, und wenn es laut ist oder beeinträchtigt, sich auch darüber ärgert. Dies begünstigt zunächst die Zentralisierung oder die Entwicklung eines ungünstigen Regelkreises. Man kann nicht bewusst entscheiden, dass man etwas nicht wahrnimmt. Man kann aber die Entscheidung treffen, wen man hören möchte, oder was man wahrnehmen möchte. Der entscheidende Punkt beim Tinnitus ist: Sie treffen die Entscheidung, was Sie hören wollen. Sie treffen nicht die Entscheidung, was Sie nicht hören wollen. Der letzte Satz ist der wichtigere Satz. Das, was man hören will, dem man sich zuwendet, das wird im Gehirn verstärkt. Das Ohr nimmt alles auf. Das Gehirn entscheidet - Sie entscheiden - was bis zur letzten Stufe der Wahrnehmung vordringt. Ziel ist die Aufmerksamkeit  wieder den bedeutenden Dingen im Leben zuwenden. Und nicht dem unwichtigen Tinnitus. Das akustische System soll wieder auf die normale, nicht auf die Ohrgeräusche fixierte Wahrnehmung zurücktrainiert werden. Um das Hörsystem in diese Richtung zu stimulieren, muss es zunehmend an äußere Höreindrücke gewöhnt, die gedankliche Fixierung des Patienten auf das Ohrgeräusch muss durchbrochen werden. Hierzu dient der Rat, Stille zu meiden. In vielen Fällen muss dem Patienten klar gemacht werden, dass auch die natürliche Umgebung keine absolute Stille bedeutet, nach der sich der von Tinnitus geplagte Mensch so sehr sehnt. Anweisung des Patienten die Beobachtung seines Tinnitus, das In-sich-hinein- Hören, ob der Tinnitus noch da ist, vollständig unterlassen. Die Vermittlung dieser Zusammenhänge ist die entscheidende Grundlage der Therapie und unabdingbare Voraussetzung für den Erfolg. Die weiteren Maßnahmen können nur erfolgreich eingesetzt werden, wenn der Patient diese Grundlagen der Tinnituswahrnehmung. und der Belästigung und die Möglichkeiten der Kompensation durch Aktivierung der zentralen Filter unseres Hörsystems begriffen hat.  Sowohl der Behandler als auch der Patient sollten die Wahl der Therapien im Hinblick auf Linderung der Begleitstörungen, nicht aber auf eine Beseitigung des Tinnitus treffen. - dies ist die beste ''Chance" ihn tatsächlich los zu werden. Bei andauernden Ohrgeräusche ist das oberste Therapieziel, dem Tinnitus keine Aufmerksamkeit zu schenken. Man kann lernen, ihn einfach zu überhören. Man braucht  dafür Zeit und Geduld. Hilfreich ist oft ein angenehmes leises Hintergrundgeräusch (Musik, Brunnen usw.)

Bei einem Versuch hörten 93 Prozent von 80 normalhörenden Probanden nach jeweils 5 Minuten Aufenthalt in einem schalltoten Raum Tinnitus, ohne vorherige Tinnituserfahrung gehabt zu haben. Alle Situationen, in denen der Tinnituskranke sich auf sein Ohrgeräusch konzentriert, sind durchaus in der Lage, den Kreislauf der Zentralisierung  zu verstärken. Absolute Stille ist eine Situation, in der der Tinnituskranke seinem Ohrgeräusch nicht entweichen kann: dies führt erneut Energie in diesen Kreislauf ein. Daher der Rat für Tinnituskranke, völlige Stille zu meiden. Ein angenehmes leises Hintergrundgeräusch sollte stets vorhanden sein, damit dieser Kreislauf nicht verstärkt wird.

Psychologische Gründe für die Sehnsucht nach Stille ( nach Jonathan Hazell FRCS June 2001, Environmental sound enrichment)

Es gibt viele Gründe, dass wir eine natürliche Tendenz habe Ruhe zu suchen. Viele Menschen versuchen ein "Eindringen" in ihr Territorium zu verhindern, vielleicht weil sie ungebetene unerwartete und nicht angekündigte Besucher, oder Telefonate, oder Geräusche einer potentiell gewalttätigen Stadt vermeiden wollen. Hier bedeutet also Ruhe und Geräuschlosigkeit kein Eindringling, keine Intrusion. Allerdings, je ruhiger es wird, um so leichter hören wir auch weit entfernte und leise Geräusche. Wir suchen deshalb einen immer besseren Schutz vor diesen Geräuschen. Obwohl Ruhe manchmal durchaus entspannend sein kann, steigt mit zunehmender Ruhe genauso wie bei starker Reizüberflutung die Erregung des vegetativen Nervensystems- quasi um besser vorbereitet gegen Eindringlinge zu sein. Man entwickelt  eine immer größere Aversion gegen alle Nachbarn die Geräusche verursachen, wird allgemein immer empfindlicher. Allgemeiner anhaltender Stress führt auch ohne Tinnitus häufig zu Geräuschüberempfindlichkeit, Konzentrations- und Aufmerksamkeitsschwierigkeiten nicht selten auch Einschränkungen der gezielt gesteuerten auditiven Wahrnehmung aus der Umgebung.  40% aller Tinnituspatienten sind bereits vor Ausbruch des Tinnitus sehr geräuschempfindlich gewesen, über diesen Mechanismus des Rückzugs verschlimmert sich die Situation.  Die Interpretation der Geräusche der Nachbarn ist dabei entscheidender als das Geräusch an sich. Je mehr man es auf sich bezieht und als böswilligen Versuch einen zu ärgern interpretiert umso schlimmer leidet man selbst unter diesem Geräusch.  Geräusche gehören zur Normalität unserer Umwelt. In den Gärten Japans werden die Geräusche von Wasserfällen zur Beruhigung eingebaut. Das Geräusch des Meeres oder des Baches in der Umgebung ist ein beruhigendes Nebengeräusch. Sogar Tinnituspatienten empfinden solche Orte als beruhigend. Die moderne Architektur, die uns von den Geräuschen der Natur abschließt, scheint ein Grund für die Geräuschempfindlichkeit und die Zunahme des Tinnitus zu sein. Leise angenehme Nebengeräusche verbessern den Schlaf und beruhigen. Dies gilt nicht nur aber auch für Tinnituspatienten.

 

Sicher wirksame und allgemein akzeptierte medikamentöse Therapiemaßnahmen sind nicht bekannt oder aufgrund der Nebenwirkungen (z.B. Lidocain-Infusionen, orales Tocainid) nicht gerechtfertigt. Wenn Sich hieran etwas ändert, verspreche ich Ihnen, dass es einen Tag später hier steht. Günstig können sich auf die Hypersensitivität und phobische Entwicklung von Tinnituspatienten entspannende Verfahren (Progressive Relaxation nach Jacobson) oder eine regelmäßige sportliche Betätigung mit Ausdauercharakter (Schwimmen, Joggen, Radfahren..) auswirken. Lasertherapie, Sauerstoffbehandlungen, Chirotherapeutische Manipulationen an der HWS, Diäten sind in der Tinnitusbehandlung unwirksam. Geringe Erfolge durch Akupunktur, Biofeedbackmethoden und Hypnose beruhen allenfalls auf generell entspannenden Wirkungen. Kontrollierte Therapiestudien liegen zu diesen alternativen Therapieverfahren nicht vor.

Mythos Fakt
Tinnitus ist ein Notfall Es gibt keine wirksame Notfallbehandlung des Tinnitus, 
Ohne Infusionen wird er chronisch Weit über 90% aller akuten Tinnitusfälle heilen aus, unter Behandlung mit z.B. einer Retraining-Therapie werden auch 80-90% aller chronischen Fälle deutlich besser. Viele Patienten mit akutem Tinnitus begeben sich in keine Behandlung und tauchen in keiner Statistik auf.  Pilgramm M, Rychlick R, Siedentop H, Goebel H, Kirchhoff D (1999) Tinnitus  in the Federal Republic of Germany: A representative epidemiological study. In: Hazell JWP (ed.) Proceedings of the Sixth International Tinnitus Seminar. Cambridge UK: Oxford University Press, 64-67 Schaaf H, Dölberg D, Seling B, Märtner M (2003) Komorbidität von Tinnituserkrankungen und psychiatrischen Störungen. Nervenarzt, 74, 72-75,
.....ist eine Durchblutungsstörung Die Vorstellung, dass Risikofaktoren für Durchblutungsstörungen gehäuft bei Tinnitus- oder  Hörsturzpatienten vorhanden sind wurde vielfach untersucht. Es wurde dem Nikotinabusus, Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes, Hypercholesterinämie für die Entstehung dieser Störungen große Bedeutung zugemessen.  Auswertungen zeigen sich jedoch, dass diese für den Herzinfarkt oder Schlaganfall festgelegten Risikofaktoren nicht gehäuft vorkommen. Biesinger E, Heiden C, Greimel V, Lendel T, Höing R,  Albegger K (1998) Strategien in der ambulanten Behandlung des Tinnitus. HNO, 46, 157-169
......muss sofort mit Infusionen behandelt werden Die pharmakologischen Effekte aller Haemorheologika (Blutverdünner) sind einander gleich.  Sie sind zudem einer Placebotherapie gleichwertig. (Biesinger E, Heiden C, Greimel V, Lendle T, Hoing R, Albegger (1998) Strategien in der ambulanten Behandlung des Tinnitus. HNO 46:157-169) Dies bedeutet, es gibt bisher keinen Hinweis, dass Infusionen oder andere durchblutungsfördernde Maßnahmen helfen. Hinweise auf langdauernde Nebenwirkungen liegen aber sehr wohl vor. Für die häufig verwendeten kolloidalen Hydroxyethylstärkeprodukte (HES) als Infusionslösung ist seit Ende der 80er Jahre bekannt, dass sie bei Schlaganfallpatieten die Sterblichkeit und das Ausmaß der Behinderung erhöhen. Trotz Fehlens aussagekräftiger Untersuchungen wurden sie beispielsweise auf Intensivstationen bei Sepsis eingesetzt, auch hier hat sich nach einer neuen größeren Studie erwiesen, dass sie eindeutig mehr schaden als nützen. Die Langzeitsterblichkeit nahm proportional zur Dosis zu.  (N Engl J Med 2008;358:125-39. Abstract ) In der größten Vergleichsstudie an 1121 Menschen mit Tinnitus erwies sich Ginkgo biloba 50 mg 3 x tgl für 12 Wochen erwartungsgemäß als unwirksam in der Behandlung des Tinnitus..
.......man muss durchblutungsfördernde Tabletten nehmen kein nachgewiesener Effekt (siehe oben)
Ich habe etwas versäumt weil ich nicht gleich zum Arzt ging Diese Aussage trifft nur in den allerseltensten Fällen zu. In den meisten Fällen heilt das Symptom von alleine aus. Für die anderen ist der Weg nach Behandlung meist so, dass  nach erfolgloser medizinischer oder anderer Behandlung  der "akute" Tinnitus zum "chronischen Tinnitus" erklärt wird, und damit fühlt sich auch der Patient als chronisch Kranker: Tinnitus wird zur Behinderung. - Je mehr Sie sich ängstigen um so schlimmer wird der Tinnitus. Die Versprechen der Akutbehandlung wären vermutlich sowieso nicht eingelöst worden.
Andauernder Tinnitus muss ärztlich abgeklärt werden ja, in den wenigsten Fällen ergibt daraus aber eine heilbare Tinnitus-Ursache, aber es lässt eine der sehr seltenen schwerwiegende Ursache ausschließen. Manchmal ergeben sich Ohrenkrankheiten oder Gefäßmissbildungen die behandelt werden können oder müssen. Meistens können die tatsächlich verantwortlichen Noxen  auch heute in der Regel nicht festgestellt werde. Erklärungen es sei die HWS, die Durchblutung.... sollte man nicht glauben. Adäquate Versorgung mit einem Hörgerät bei einer deutlichen Hörminderung kann helfen.
Masker oder Noiser helfen Masker oder Noiser verhindern die Gewöhnung an den Tinnitus sollen daher nicht mehr zur Anwendung kommen.
Chirotherapeutische oder Manualtherapeutische Manipulationen an der HWS helfen. Pathoanatomisch und ätiologisch können degenerative Veränderungen der Halswirbelsäule als Geräuschquelle nicht in Frage kommen. (Es sollte immer an das Risiko einer Dissekation der A. vertebralis bei prädisponierten Patienten gedacht werden, durch solche Behandlungen kann aus dem Tinnitus dann als Nebenwirkung wirklich ein Schlaganfall werden). Aussagekräftige Studien, die eine Wirksamkeit von HWS- Manipulationen bei Tinnitus belegen, gibt es bisher nicht.
Stress fördert Tinnitus Stimmt, Sorgen Sie für einen adäquaten Ausgleich und Entspannung. Übertriebene Schonung verschlimmert den Tinnitus aber ebenso wie Stress.
Was ist von Tomatis -Behandlungen zu halten Es handelt sich um eine Außenseitertherapieform. Die Theorie dahinter ist unsinnig, es ist kein Effekt zu erwarten. Entspannende Musik zu Hause ist billiger und genauso effektiv.
Andere Alternativmethoden Lasertherapie, Sauerstoffbehandlungen, Diäten, Tees, Vitamine sind zur der Tinnitusbehandlung unwirksam. Geringe Erfolge durch Akupunktur, Biofeedbackmethoden und Hypnose beruhen allenfalls auf generell entspannenden Wirkungen. Kontrollierte Therapiestudien liegen nicht vor. Übliche Entspannungsverfahren wie Progressive Muskel- Relaxation nach Jacobson sind effektiver und billiger. Sie können nach Erlernen selbst eingesetzt werden und machen nicht von zeitraubenden und teuren Besuchen beim Therapeuten abhängig.
chronischer Tinnitus macht depressiv Chronischer Tinnitus verursacht nicht selten ein erhebliches Leiden. Dieses Leiden wird nicht durch den Tinnitus verursacht. Es sind Begleiterscheinungen, wie Konzentrationsstörungen, Einschlafstörungen, Überempfindlichkeit bei lauten Geräuschen (Hyperakusis), depressive Phasen, Einschränkung der sozialen Kontakte und zeitweiser Verlust des Selbstvertrauens. Tinnitus wird zum Lärm der Seele! Wo hier Ursache und wo Wirkung ist, ist unerheblich. Eine Behandlung der Ängste und der Depression ist aber immer indiziert und auch Erfolg versprechend. Sie gehört in die Hände eines Fachmanns. Der Ansatz der Behandlung bei der Depression bietet bessere Heilungsaussichten, als eine reine Tinnitusbehandlung jedweder Art.
Medikamente können Tinnitus auslösen Ja, viele Medikamente können dies nachweislich. Z.B.: Aspirin, sehen sie auf die Beipackzettel und sprechen Sie mit Ihrem Arzt. Eine unvollständige Liste im Kapitel Schwindel. Nicht immer sind sie schuld, das Zusammentreffen von Medikamenteneinnahme und Tinnitus kann auch zufällig sein. Meist ist medikamenteninduzierter Tinnitus reversibel. Hier muss einer sorgfältige Abwägung nach einer genauen Medikamentenanamnese erfolgen. Ausführlichste Liste der Medikamente die Tinnitus auslösen können bei der American Tinnitus Association
hyperbare Sauerstofftherapie hilft Der Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen hat in seiner Sitzung vom 11.4.00 nach ausführlicher Beratung und Überprüfung in den Arbeitsausschüssen bestätigt, dass der Nachweis des therapeutischen Nutzens in der Tinnitus Behandlung oder Hörsturzbehandlung fehlt. Routinemäßig wird die HBO in Akutfällen wie zum Beispiel Taucherunfällen oder Kohlenmonoxidvergiftungen im Rahmen intensivmedizinischer Behandlungskonzepte stationär angewendet. Dort ist sie unzweifelhaft hilfreich und indiziert. Auch wenn der Nachweis eines Nutzens fehlt, und sich Sauerstofftherapie so anhört, als ob es grundsätzlich nur gesund wäre, Nebenwirkungen sind auch bei dieser Behandlungsmethode möglich. Kontraindikationen sind Erkältungen, Fieber, Epilepsie, Lngenemphysem. (Siehe auch CMAJ 2008 179: 1351)

 

 

Verlaufseinteilung des Tinnitus
Akut (bis zu 3 Monate)
Subakut (4 Monate bis 1 Jahr)
Chronisch (länger als 1 Jahr)

 

 

 Evidenz der Wirksamkeit in randomisierten Studien zu Tinnitus

Treatment Zahl der Studien Kommentar
Tocainid und verwandte Medikamente 9 Kein Nutzen und erhebliche Nebenwirkungen
Lidocain Iontophorese   Kein Nutzen
Carbamazepin 4 Kein Nutzen
Caroverin (Österreich: Spasmium, Tinnitin) 1 Die eine Wirksamkeit suggerierende Studie ist nicht verblindet, eine weitere Schweizer Pilotstudie zeigte im Gegensatz zur nicht verblindeten Studie sogar eine Verschlechterung. arznei-telegramm 05/2004 Seite 49, die Wirksamkeit gilt damit als bisher nicht nachgewiesen.
Benzodiazepine 4 Alprazolam war effektiv in einer Studie mit guter Qualität. Einige Benzodiazepine verschlimmerten den Tinnitus bei manchen Patienten. Allerdings gibt es Hinweise, dass der Tinnitus nach Absetzen schlimmer wird. Es ist nicht gesichert, ob der Effekt nur auf die Sedierung oder Beruhigung zurückgeht. Deshalb in der Regel keine Indikation für Benzodiazepine.
Trizyklische Antidepressiva 4 Einige Evidenz für geringen Nutzen von Nortriptylin und Amitriptylin bezüglich des Tinnitus an sich, aber häufige und gute Besserung der begleitenden Depression
SSRI 1 120 nicht depressive Patienten mit Tinnitus, Paroxetin gegen Plazebo, Keine Wirkung auf den Tinnitus. Psychosomatic Medicine 67:981–988 (2005)
Ginkgo 2 Kein Nutzen siehe auch Ernst E, Stevinson C. Ginkgo biloba for tinnitus: a review. Clin Otolaryngol 1999;24:164-167
Verschiedene andere Medikamente 14 Kein Nutzen bei sehr vielen unterschiedlichen Medikamenten. Da die Mechanismen des Tinnitus ungenügend geklärt sind, gibt es zzt. auch keine kausale und effektive medikamentöse Therapie.
Psychotherapie 11 Gemischte Beweislage, je nach Verfahren, Verhaltenstherapeutische Verfahren zeigen deutlich bessere Wirkung als alle medikamentösen Behandlungen oder reine Entspannungstherapien .Andersson G, Lyttkens L. A meta-analytic review of psychological treatments for tinnitus. Brit J Audiol 1999;33:201–10. Zachriat C, Kroner-Herwig B. Treating chronic tinnitus: comparison of cognitive-behavioural and habituation-based treatments. Cogn Behav Ther. 2004;33(4):187-98. Kroner-Herwig B, et al., The management of chronic tinnitus--comparison of a cognitive-behavioural group training with yoga.J Psychosom Res. 1995 Feb;39(2):153-65. Delb W, et al., Evaluation of the tinnitus retraining therapy as combined with a cognitive behavioral group therapy] HNO. 2002 Nov;50(11):997-1004.
Elektrisch/Magnetisch 6 Einige Evidenz für geringen Nutzen der elektrischen Stimulation über dem Mastoid
Transkranielle Magnetstimulation   "Die Beurteilung der neuronavigierten, repetitiven transkraniellen Magnetstimulation zur Behandlung des chronischen Tinnitus ist sicher noch nicht ausreichend möglich. Vor vorschneller Einschätzung als neuer oder gar kausaler Therapiemethode sollte jedoch gewarnt werden, um nicht bei den zahlreichen Betroffenen falsche Hoffnungen zu erwecken". Die Studien haben bisher sehr kleine Fallzahlen, sind schlecht verblindet, und weisen auch unter diesen Bediungungen nur einen Effekt für wenige Tage nach. G. Hesse; HNO 2006 · 54:436–438, T. Kleinjung et al., HNO 2005, 54:439–444, HNO 2006; 54:665–666 In einer Studie zur Magnetstimulation bei Tinnituspatienten über der Hirnstelle mit der individuell höchsten tinnitusbezogenen Rindenaktivität zeigte sich ein kleiner nicht zuverlässiger Effekt, der 2 Wochen nach der letzten Magnetstimulation nicht mehr vorhanden war.  Der betriebene Aufwand in der Studie war enorm, die Patienten wurden vor Magnetstimulation mit einem PET- Gerät untersucht. Die Wirkung war vergleichsweise gering, kurz, und nur bei manchen Probanden nachweisbar. Ob es mehr als ein Placeboeffekt ist, ist zweifelhaft. C Plewnia, M Reimold, A Najib, G Reischl, S K Plontke, and C Gerloff, Moderate therapeutic efficacy of positron emission tomography-navigated repetitive transcranial magnetic stimulation for chronic tinnitus: a randomised, controlled pilot study, J Neurol Neurosurg Psychiatry 2007; 78: 152-156. [Abstract] [Full text] [PDF]
Akupunktur 6 Kein Nutzen in den Studien (Ähnlich in Jongbae Park; Adrian R. White; Edzard Ernst, Arch Otolaryngol Head Neck Surg 2000; 126: 489-492 bei Auswertung der Ergebnisse von 6 Studien, dort je besser und seriöser die Methodik der Studien umso schlechter schneidet Akupunktur ab. oder in A Vickers, P Wilson, J Kleijnen Acupuncture Qual Saf Health Care  Mar 01, 2002 11: 92-97.  (In "Effectiveness bulletins")  Abstract]     [Full Text]
Masking 6 Kein signifikanter Nutzen in den Studien 
Biofeedback 5 Gemischte Beweislage
Hypnose 3 Kein signifikanter Nutzen in den Studien 
Ultraschall 2 Kein signifikanter Nutzen in den Studien 
Unterschiedliche andere nicht medikamentöse Verfahren 4 Kein signifikanter Nutzen in den Studien 
RA Dobie. A review of randomized clinical trials in tinnitus. Laryngoscope 1999 109: 1202-1211.

 

Kosten unnötiger Medikamente in der Tinnitusbehandlung nach einer Studie an 424 Patienten in DM in % der Patienten

Bis 100,- 33%

101,- 500,-

44%

501,-1.000,-

13%

1.001,- 5.000,-

20%

5.001,- 10.000,-

2%

10.001,- 20.000,-

1%
Nach G. Hesse et al. HNO 1999 • 47: 658–660

Vor dem Hintergrund der Wirkungslosigkeit sind Nebenwirkungen immer besonders beachtenswert. Das Deutsche Ärzteblatt, Heft 43 vom 27.10.00 berichtet über das Auftreten von Juckreiz bei 51 Prozent von 93 mit Hydroxyethylstärke (HES) behandelten Patienten.  Durch Hautbiopsien konnten bei allen 93 Patienten HES-Ablagerungen in den Histiozyten, zum Teil auch in den Epithelien und Endothelien, der Haut nachgewiesen werden. Dies lässt eine regulären Verstoffwechselung von HES in der Haut vermuten. Die zitierte Publikation zeige weiter, dass selbst bei einer einmaligen geringen Dosierung von HES Speicherungen in der Haut festgestellt werden, die bei einer hohen Zahl der Patienten zu Juckreiz führen. In einer 2. Publikation war bei Intensivpatienten bereits bei einer Menge von 2 Litern, die im Verlauf von zwei Tagen infundiert wurden, ein schwerer anhaltender Juckreiz aufgetreten. Die AkdÄ hat seit 1990 mehrfach auf den Zusammenhang HES/Juckreiz hingewiesen. In den Fachinformationen zu HES-haltigen Arzneimitteln machen die Hersteller darauf aufmerksam, dass eine längerfristige tägliche Gabe im mittleren und höheren Dosierungsbereich häufig kaum behandelbaren Juckreiz verursacht. Dieser könne noch Wochen nach Beendigung der Therapie auftreten, über Monate anhalten und sehr belastend sein. Für die häufig verwendeten kolloidalen Hydroxyethylstärkeprodukte (HES) als Infusionslösung ist seit Ende der 80er Jahre bekannt, dass sie bei Schlaganfallpatieten die Sterblichkeit und das Ausmaß der Behinderung erhöhen. Trotz Fehlens aussagekräftiger Untersuchungen wurden sie beispielsweise auf Intensivstationen bei Sepsis eingesetzt, auch hier hat sich nach einer neuen größeren Studie erwiesen, dass sie eindeutig mehr schaden als nützen. Die Langzeitsterblichkeit nahm proportional zur Dosis zu.  (N Engl J Med 2008;358:125-39. Abstract ) HES-induzierte Pruritus beginnt in der Regel 3 – 6 Wochen nach HES-Applikation und persistiert durchschnittlich 15 Monate, kann aber in Einzelfällen auch bis zu 2 Jahre und länger bestehen. Die Inzidenz des HES-induzierten Pruritus beträgt 12 – 54 % in Abhängigkeit
der untersuchten Patientenpopulationen. Eine wirksame Therapie gegen diesen Juckreiz gibt es kaum. (DOI 10.1055/s-0029-1237393 Laryngo-Rhino-Otol 2009; 88:604– 611) 

Probleme kann auch die Übernahme der Kosten für die Infusionsbehandlung bereiten. (Landessozialgericht NRW Az.: L 5 KR 1/04) Zusammengefasst bedeutet dies: Trotz fehlenden Nutzens und zweifelhafter Theorien hinter der Behandlung, wird immer noch kräftig für die Infusionsbehandlung die Trommel gerührt. Unbelesene Ärzte wie Patienten könnten ein Versäumen der Infusionsbehandlung fast für einen Kunstfehler halten. Der fehlende Nutzen schützt leider nicht vor den Nebenwirkungen der Infusionsbehandlungen. Oder: Durch die Infusionsbehandlung kommt zum lästigen Tinnitus ein lästiger Juckreiz. Vielleicht bringt die hohe Rate berichteter Nebenwirkungen ein Umdenken in der Tinnitusbehandlung - und spart Geld, das an anderer Stelle nötiger gebraucht wird.

 

Tinnituseinteilung nach HNO 1998 • 46: 699-711   Springer-Verlag 1998,  Zenner • Eine Systematik für Entstehungsmechanismen von Tinnitus
Kompensation/Dekompensation
Kompensiert (ohne Sekundärsymptomatik)
Der Patient registriert das Ohrgeräusch, kann jedoch so damit umgehen, dass keine Sekundärsymptomatik auftritt
Grad I: Kein Leidensdruck
Grad II: Hauptsächlich in der Stille, wirkt störend bei Stress und Belastungen.
Dekompensiert (mit Sekundärsymptomatik)
Der Tinnitus hat massive Auswirkungen auf sämtliche Lebensbereiche und führt zur Entwicklung der Sekundärsymptomatik (Angst, Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen, Depressionen). Es besteht hoher Leidensdruck •
Grad III: Der Tinnitus führt zu einer dauernden Beeinträchtigung im privaten und beruflichen Bereich.
Es tritt Sekundärsymptomatik im emotionalen, kognitiven und körperlichen Bereich auf
Grad IV: Der Tinnitus führt zur völligen Dekompensation im privaten Bereich, Berufsunfähigkeit

 

 

Therapie des Tinnitus Zusammenfassung´:
· Essentiell ist die umfassende Erklärung der Tinnitusentstehung, Beratung und positive ärztliche Führung, um den Patienten Ihre Ängste und Befürchtungen zunehmen und eine phobische Weiterentwicklung und Hypersensitivität gegenüber auditiven Reizen und besonders dem Tinnitus zu verhindern.
· Pathologische Prozesse sind entsprechend fachärztlich zu behandeln.
· Adäquate Versorgung mit einem Hörgerät bei einer deutlichen Hörminderung (nach HNO-ärztlicher Abklärung)
· Gegenwärtig ist als wissenschaftlich fundierte Therapiemethode mit wissenschaftlichem Nachweis eines bis zu 80 % Effektes am ehesten die von Prof. Jastreboff und Prof Hazell entwickelte Tinnitus Retraining Therapie zu nennen, die eine Reduktion oder Heilung vom Tinnitus durch Habituation erzielt. Einsatz verhaltenstherapeutischer Maßnahmen. Die Therapie erfordert eine spezielle Ausbildung und Grundlagenwissen von Neurologie, Psychologie, Physiologie und Audiologie. Notwendig wird sie nur, wenn es zu einer Chronifizierung gekommen ist, und diese ist oft genug Folge von Panikmache von Ärzten und Medien.
· Günstig können sich auf die Hypersensitivität und phobische Entwicklung von Tinnituspatienten entspannende Verfahren (Progressive Relaxation nach Jacobson) oder eine regelmäßige sportliche Betätigung mit Ausdauercharakter (Schwimmen, Joggen, Radfahren..) auswirken.

Hörsturz und das Auftreten Tinnitus sind entgegen der Meinung vieler Patienten nicht identisch. Von einem Hörsturz spricht man, wenn plötzlich eine Schallempfindungsschwerhörigkeit (Funktionsstörung des Innenohres) unklarer Ursache auftritt. Wenn die Ursachen für eine Schwerhörigkeit bekannt sind, spricht man sodann nicht mehr von einem Hörsturz. Entsprechend ist davon auszugehen, dass verschiedene Ursachen für das selbe Symptom vorhanden sind. ( vermutet werden z.B. Virusinfekte, andere entzündliche Reaktionen, Durchblutungsstörungen, Autoimmunkrankheit....). Ein dopplersonographischer oder angiographischer Nachweis von Durchblutungsstörungen steht aus,  zumindest sind die diesbezüglichen Ergebnisse widersprüchlich, auch histologisch sind diese nicht nachgewiesen, bzw. allenfalls in seltenen Einzelfällen wahrscheinlich zu machen. Acyclovir oder Valacyclovir haben keine nachgewiesene zusätzlich Wirkung, so dass eine Verursachung durch Herpesviren unwahrscheinlich ist. Studien mit systematischer Suche nach infektiösen Ursachen fanden eine solche nur in extrem seltenen Ausnahmefällen, deshalb wird allgemein empfohlen, nur bei konkreten Hinweisen nach einem Erreger zu suchen. Die Wirksamkeit von Behandlungen ist entsprechend der nicht bekannten Ursache und der hohen Spontanheilungsrate schwer nachzuweisen, und möglicherweise auch oft nicht vorhanden.  Ob ein Hörsturz notfallmäßig behandelt werden sollte, ist zumindest unklar, auch Behandlungen nach einer oder 4 Wochen geben Erfolge an. Die Studienlage für alle Behandlungen ist nur bedingt aussagekräftig. Je geringer die initiale Schwerhörigkeit umso besser die Prognose mit und ohne Behandlung, bei leichter Hörminderung ist die Prognose sehr gut. Bei schwerem Hörverlust mit bereits bei Auftreten an Taubheit grenzender Schwerhörigkeit oder Taubheit ist die Prognose ungünstig. Wenn zusätzlich das Gleichgewichtsorgan gestört ist, ist die Prognose ebenfalls ungünstig. Bereits initial vorhandener Tinnitus spricht möglicherweise für eine gute Prognose bezüglich des Hörvermögens.  Die Rezidivhäufigkeit wird mit ca. 30% angeben. Die Spontanheilungsrate des Hörsturzes wird unterschiedlich angegeben, aktuell im Durchschnitt bei 50%, die Angaben schwanke aber zwischen 25 und über 80%. 

  1. Leitlinie Hörsturz HNO   
  2. S. Zoger, J. Svedlund, and K.-M. Holgers Relationship Between Tinnitus Severity and Psychiatric Disorders Psychosomatics, August 1, 2006; 47(4): 282 - 288.  [Abtract] [Full Text] [PDF]
  3. P. J. Willems Genetic Causes of Hearing Loss N. Engl. J. Med., April 13, 2000; 342(15): 1101 - 1109. [Full Text] [PDF]
  4. K. P. Steel A New Era in the Genetics of Deafness N. Engl. J. Med., November 19, 1998; 339(21): 1545 - 1547. [Full Text]
  5. Scott B, Lindberg P: Psychological profile and somatic complaints between help-seeking and non-help-seeking tinnitus subjects. Psychosomatics 2000; 41:347–352
  6. Gagnebin J, Maire R.  Infection screening in sudden and progressive idiopathic sensorineural hearing loss: a retrospective study of 182 cases. Otol Neurotol. 2002 Mar;23(2):160-2.  
  7. Huy PT, Sauvaget E. Idiopathic sudden sensorineural hearing loss is not an otologic emergency. Otol Neurotol. 2005 Sep;26(5):896-902.
  8. Slattery WH, Fisher LM, Iqbal Z, Liu N.Oral steroid regimens for idiopathic sudden sensorineural hearing loss. Otolaryngol Head Neck Surg. 2005 Jan;132(1):5-10. 
  9. Slattery WH, Fisher LM, Iqbal Z, Friedman RA, Liu N. Intratympanic steroid injection for treatment of idiopathic sudden hearing loss. Otolaryngol Head Neck Surg. 2005 Aug;133(2):251-9.
  10. Tucci DL, Farmer JC Jr, Kitch RD, Witsell DL.Treatment of sudden sensorineural hearing loss with systemic steroids and valacyclovir. Otol Neurotol. 2002 May;23(3):301-8
  11. Van Prooyen-Keyzer S, Sadik JC, Ulanovski D, Parmantier M, Ayache D. Study of the posterior communicating arteries of the circle of willis in idiopathic sudden sensorineural hearing loss. Otol Neurotol. 2005 May;26(3):385-6.
  12.  Marcucci R, Alessandrello Liotta A, Cellai AP, Rogolino A, Berloco P, Leprini E, Pagnini P, Abbate R, Prisco D. Cardiovascular and thrombophilic risk factors for idiopathic sudden sensorineural hearing loss. J Thromb Haemost. 2005 May;3(5):929-34. 
  13. Merchant SN, Adams JC, Nadol JB Jr. Pathology and pathophysiology of idiopathic sudden sensorineural hearing loss. Otol Neurotol. 2005 Mar;26(2):151-60.
  14. Bennett MH, Kertesz T, Yeung P.Hyperbaric oxygen for idiopathic sudden sensorineural hearing loss and tinnitus. Cochrane Database Syst Rev. 2005 Jan 25;(1):CD004739. Review.
  15. Nageris BI, Ulanovski D, Attias J.Magnesium treatment for sudden hearing loss. Ann Otol Rhinol Laryngol. 2004 Aug;113(8):672-5.Ben-David J, Luntz M, Podoshin L, Sabo E, Fradis M.
  16. Vertigo as a prognostic sign in sudden sensorineural hearing loss. Int Tinnitus J. 2002;8(2):127-8.
  17. Ben-David J, Luntz M, Magamsa I, Fradis M, Sabo E, Podoshin L. Tinnitus as a prognostic sign in idiopathic sudden sensorineural hearing loss. Int Tinnitus J. 2001;7(1):62-4.


Links und Adressen:· Deutsche Tinnitus Liga (DTL): www.tinnitus-liga.de/ Jonathan Hazell / Pawel Jastreboff:Tinnitus Retraining Therapy (engl.) www.tinnitus.org · The International Tinnitus Journal On-line:  http://www.iths.net/  AET Forschungsprojekt http://www.uni-trier.de/~fpp/aet/abluent.html  Eurotinnitus.com  Leitlinien der HNO Ärztlichen Gesellschaft    Tinnitus Association of Canada   American Tinnitus Association (interessante Befragungen und Liste der Medikamente (s.o.)   Australian Tinnitus Association (NSW)   Akustikus Neurinom e.V. Tinnitus Association of Victoria   Tinnitus - University of Toronto, CA Tinnitus, or Head Noise  De Nederlandse Vereniging Voor Slechthorenden France Acouphènes British Tinnitus Association    University of Texas Medical Branch, Galveston     Inner Ear, Tinnitus - eMedicine/Otolaryngology Medikamente die Tinnitus als Nebenwirkung haben - Oregon Tinnitus & Hyperacusis Treatment Center   Österreichische Tinnitus-Liga   RNID Tinnitus-Helpline

Pesché Jeannot

 

 

Grad der Behinderung im Schwerbehindertenrecht aus den
"Anhaltspunkten für die ärztliche Gutachtertätigkeit im sozialen Entschädigungsrecht und nach dem Schwerbehindertengesetz" (1996)

 
Ohrgeräusche (Tinnitus)
ohne nennenswerte psychische Begleiterscheinungen
0-10
mit erheblichen psychovegetativen Begleiterscheinungen. 20
mit wesentlicher Einschränkung der Erlebnis- und Gestaltungsfähigkeit (z. B. ausgeprägte depressive Störungen)  30-40
mit schweren psychischen Störungen und sozialen Anpassungsschwierigkeiten   50
Bleibende Hörstörungen und Ohrgeräusche (Tinnitus) sind zusätzlich zu bewerten.  
 

Bewertung in der privaten Unfallversicherung: AUB 88 § 2 IV, Krankhafte Störungen, die eine organische Ursache haben, sind nicht gemäß § 2 IV AUB 88 vom Versicherungsschutz ausgeschlossen, auch wenn im Einzelfall das Ausmaß, in dem sich die organische Ursache auswirkt, von der psychischen Verarbeitung durch den Versicherungsnehmer abhängt (hier: Tinnitus).  Der zugesagte Unfallversicherungsschutz für von außen auf den Körper wirkende Ereignisse (§ 1III AUB 88) bleibt von der Klausel für alle Gesundheitsschäden - also einschließlich psychischer Leiden - unangetastet, soweit sich die Beschwerden nicht als Folge psychischer Reaktionen darstellen. Für den gesamten Bereich physisch vermittelter Unfallschädigungen greift der Ausschluss nicht. Bereits deswegen scheidet eine Aushöhlung des Unfallversicherungsvertrages aus; sein Zweck, Schutz vor Unfallrisiken zu bieten, wird in diesem weit gespannten Bereich ausreichend erfüllt (Senatsurteil vom 23. Juni 2004 aaO unter II 2 b aa). Krankhafte Störungen, die eine organische Ursache haben, sind nicht vom Versicherungsschutz ausgeschlossen, auch wenn im Einzelfall das Ausmaß, in dem sich die organische Ursache auswirkt, von der psychischen Verarbeitung durch den Versicherungsnehmer abhängt. aus BGH, Urteil vom 29. September 2004 - IV ZR 233/03

  • Ein Tinnitus kann nicht die Hörleistung beeinträchtigen. Aufgrund ihres subjektiven Charakters und der Tatsache, dass es sich um empfundene, aber nicht gehörte Töne oder Geräusche handelt, beeinflussen Ohrgeräusche die Hörschwelle nicht.

  • Eine Hörminderung bewirkt nicht regelmäßig ein Ohrgeräusch.

  • Ohrgeräusche stellen ein von der eingetretenen Hörminderung biologisch abhängiges Phänomen dar.

  • Die subjektiv empfundene Lautheit des Tinnitus stellt keinen Faktor dar, der eine besondere Betroffenheit kennzeichnet.

  • Die subjektiv empfundene Lautheit des Tinnitus lässt sich nicht mit der Ausdehnung und dem Umfang der Hörstörung korrelieren.

  • Die subjektiv empfundene Lautheit des Tinnitus lässt sich nicht an der Verdeckungslautstärke des Ohrgeräusches ablesen.

  • Die krankhafte Störung „Tinnitus“ bedingt für sich allein genommen abstrakt keine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Leistungsfähigkeit.

  • Es gibt zurzeit keine Möglichkeit, einen reproduzierbaren Maßstab anzulegen, geschweige eine Objektivierung eines angegebenen Tinnitus herbeizuführen.

  • Zu einer Entschädigung muss gefordert werden, dass nach einem Unfall aufgetretene Ohrgeräusche immer an einen erfassbaren Innenohrschaden gebunden sein müssen.

Aus: Michel O, Wienke A. Zur Beurteilung von Tinnitus… Laryngo-Rhino-Otol 2006; 85: 204–208

 

 

  1. Dobie RA: A review of randomized clinical trials in tinnitus. Laryngoscope 1999; 109: 1202-11
  2. Jastreboff PJ, Jastreboff MM: Tinnitus Retraining Therapy (TRT) as a method for treatment of tinnitus and hyperacusis patients. J Am Acad Audiol 2000; 11: 162-77.
  3. Moller AR: Similarities between severe tinnitus and chronic pain. J Am Acad Audiol 2000; 11: 115-24
  4. Park J, White AR, Ernst E: Efficacy of Acupuncture as a Treatment for Tinnitus: A Systematic Review. Arch Otolaryngol Head Neck Surg 2000; 126: 489-92
  5. Quaranta A, Scaringi A, Aloidi A: Intratympanic therapy for Meniere's disease: effect of administration of low concentration of gentamicin. Acta Otolaryngol 2001; 121: 387-92
  6. Sahley TL, Nodar RH: A biochemical mmodel of peripheral tinnitus. Hear Res 2001; 152: 43-54
  7. Steenerson RL, Cronin GW: Treatment of tinnitus with electrical stimulation. Otolaryngol Head Neck Surg 1999; 121: 511-3
  8. Sulkowski W, Kowalska S, Lipowczan A: Tinnitus and impulse noise-induced hearing loss in drop-forge operators. Int J Occup Med Environ Health 1999; 12(2): 177-82

 

Zur Startseite Anschrift des Verfassers: (Praxisadresse)
Feedback: Karl C. Mayer
Gästebuch Bergheimerstraße 56a
E-Mail 69115 Heidelberg

 

Bitte beachten Sie, diese Webseite ersetzt keine medizinische Diagnosestellung oder Behandlung. Es wird hier versucht einen Überblick über den derzeitigen Stand der medizinischen Forschung auch für interessierte Laien  zu geben, dies ist nicht immer aktuell möglich. Es ist auch nicht möglich, dass ein Arzt immer auf dem aktuellsten Stand der medizinischen Forschung in allen Bereichen seines Faches ist.  Es ist immer möglich, dass die medizinische Forschung hier noch als wirksam und ungefährlich dargestellte Behandlungsmaßnahmen inzwischen als gefährlich oder unwirksam erwiesen hat. Lesen Sie bei Medikamenten immer den Beipackzettel und fragen Sie bei Unklarheiten Ihren behandelnden Arzt. Medikamentöse Behandlungen auch mit freiverkäuflichen Medikamenten bedürfen ärztlicher Aufsicht und Anleitung. Dies gilt auch für alle anderen Behandlungsverfahren. Die hier angebotenen Informationen können nicht immer für jeden verständlich sein. Um Mitteilung wo dies nicht der Fall ist bin ich dankbar. Fragen Sie hierzu immer Ihren behandelnden Arzt. Dieser weiß in der Regel über die hier dargestellten Sachverhalte gut Bescheid und kann Ihren individuellen Fall und Ihre Beschwerden besser einordnen- was für einen bestimmten Patienten nützlich ist, kann einem anderen schaden.  Selbstverständlich gibt es zu den meisten Themen unterschiedliche Auffassungen. Soweit möglich wird hier dargestellt woher die Informationen stammen. In den meisten Fällen mit einem entsprechenden Link (da diese oft ohne Ankündigung geändert werden, sind diese leider nicht immer aktuell zu halten).. Leider ist die zitierte Literatur nicht immer kostenfrei zugänglich. Die Beschränkung auf kostenfrei zugängliche Literatur würde manches sehr oberflächlich lassen. In der Regel versuche ich mich in der Darstellung an deutschen oder internationalen Leitlinien der Fachgesellschaften und Metaanalysen der Literatur zu orientieren. Auch dies ist nicht überall möglich. Zum einen gibt es nicht überall solche Leitlinien, zum anderen werden diese mir nicht immer sofort bekannt. Manche Leitlinien sind lange nicht aktualisiert worden und von neuerer Literatur überholt, bzw, ergänzungsbedürftig.  Wenn möglich sind im Text Links zu solchen Leitlinien eingebaut. Auch Leitlinien sind nur Orientierungen, sie schließen nicht aus, dass generell oder im Einzelfall Fehler enthalten sind oder diese im Einzelfall nicht anwendbar sind. Ziel der Darstellung ist hier definitiv nicht, mich als Experten für irgendeines der in der Homepage dargestellten Krankheitsbilder auszuweisen. Ich gehe davon aus, dass alle vergleichbaren Fachärzte für Neurologie, Psychotherapeutische Medizin und Psychiatrie ihre Patienten sorgfältig und genau so gut wie ich behandeln. Sollten Sie über eine Suchmaschine direkt auf diese Seite gekommen sein, werden Sie gebeten auch die Hauptseite aufzusuchen. Dort finden Sie einen Link zu den zuständigen Ärztekammern. Bitte lesen sie auch den Beipackzettel der Homepage und das Vorwort. Jeder Nutzer ist für die Verwendung der hier gewonnenen Informationen selbst verantwortlich, es handelt sich definitiv um keine Anleitung zur Selbstbehandlung. Es wird keinerlei Haftung weder für die hier angebotenen Informationen noch für die in den Links angebotenen Informationen übernommen. Sollten Sie Links finden, die nicht (oder nicht mehr) seriös sind, teilen Sie mir dies bitte mit, damit ich diese löschen kann. Der Autor übernimmt keinerlei Gewähr für die Aktualität, Korrektheit, Vollständigkeit oder Qualität der bereitgestellten Informationen. Haftungsansprüche gegen den Autor, welche sich auf Schäden materieller oder ideeller Art beziehen, die durch die Nutzung oder Nichtnutzung der dargebotenen Informationen bzw. durch die Nutzung fehlerhafter und unvollständiger Informationen verursacht wurden sind grundsätzlich ausgeschlossen, sofern seitens des Autors kein nachweislich vorsätzliches oder grob fahrlässiges Verschulden vorliegt. Alle Angebote sind freibleibend und unverbindlich. Der Autor behält es sich ausdrücklich vor, Teile der Seiten oder das gesamte Angebot ohne gesonderte Ankündigung zu verändern, zu ergänzen, zu löschen oder die Veröffentlichung zeitweise oder endgültig einzustellen. Veränderungen erfolgen dabei ständig in Anpassung an neue Literatur oder weil sich meine Auffassung zu einem Thema aus anderen Gründen geändert hat.  Dieser Haftungsausschluss ist als Teil des Internetangebotes zu betrachten, von dem aus auf diese Seite verwiesen wurde. Sofern Teile oder einzelne Formulierungen dieses Textes der geltenden Rechtslage nicht, nicht mehr oder nicht vollständig entsprechen sollten, bleiben die übrigen Teile des Dokumentes in ihrem Inhalt und ihrer Gültigkeit davon unberührt.  Sollte sich jemand durch die Homepage in irgendeiner Form beleidigt, benachteiligt oder in sonst einer Form geschädigt fühlen, bitte ich um eine persönliche Kontaktaufnahme per E-Mail oder telefonisch bzw. per Post. Bitte nennen Sie bei Mitteilungen Ihren vollständigen Namen und Ihre Adresse. Bei Mitteilungen von Kollegen bitte auch Tatsache, dass sie Kollege sind, sowie die Fachbezeichnung. Anonyme Mitteilungen sind in der Regel nicht willkommen. Karl C. Mayer