Jeffrey M. Welch et al., Cortico-striatal synaptic defects and OCD-like behaviours in Sapap3-mutant mice Nature 448, 894-900 (23 August 2007) | doi:10.1038/nature06104;
Zwangsstörungen (OCD)
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Dann sind Sie möglicherweise auf dieser Seite richtig Die Zwangskrankheit betrifft mehr als eine Million Menschen in
Deutschland. Nur 10–15% werden irgendwann ganz symptomfrei, 50 % der
Patienten leiden lebenslang unter den Symptomen. Da die Symptome den
Betroffenen peinlich sind, versuchen sie lange diese zu verheimlichen,
es dauert deshalb meist lange bis eine Behandlung eingeleitet wird. Die
meisten Patienten finden nicht den Weg zu einer effektiven,
störungsspezifischen Erfolg versprechenden Behandlung. Nicht selten wird
auch immer noch unzureichend behandelt. Je früher behandelt wird, um so
eher kann die Behandlung auch helfen. Dass
jemand auf der Treppe noch einmal umkehrt um zu sehen, ob er seine Tür
wirklich abgeschlossen hat, dass jemand alles etwas genauer nimmt als
andere, mehr grübelt, zweifelt, mal über seine Gedanken erschrickt, oder
abergläubisch ist, gehört noch zu den häufigen kleinen Unterschieden
zwischen gesunden Menschen. Erst wenn dies alles exzessiv wird und auch
bei bestem Willen gar keinen Sinn mehr macht, Alltagstätigkeiten und die
Funktionsfähigkeit beeinträchtigt sind, spricht man von einer
Zwangsstörung. Da werden dann nicht vor dem Essen oder nach dem Besuch
der Toilette besonders intensiv die Hände gewaschen um die Bakterien
oder den Schmutz loszuwerden, viele Betroffene verbringen Stunden damit,
sich immer wieder die Hände zu waschen, oft bis die Haut an den Händen
völlig ruiniert ist. Sie verbringen Stunden damit die Konservendosen in
der Speiskammer genau an den richtigen Platz zu stellen um ihre Ängste
einzudämmen. Sie fahren abends noch 4x die Runde um den Block um zu
sehen, dass sie wirklich keinen Unfall verursacht haben, und dennoch
kann sie der Zweifel aus dem Haus treiben lieber nochmals 4 Runden zu
drehen, um nur sicher sein zu können. Sie geraten in Panik, wenn sie
ihre Rituale nicht genauestens einhalten können, befürchten ständig,
dass sie die Kontrolle über sich verlieren könnten. Manche müssen
ständig beten, um "verbotene" Gedanken ungeschehen zu machen, andere
befürchten ständig, dass sie anderen Menschen etwas schlimmes antun
könnten. Man sieht z.B. einen roten Fleck und hat die Vorstellung,
es könnte Blut sein. Man fasst eine Türklinke an, oder gibt jemandem die
Hand und befürchtet, sie sei mit Bakterien verseucht. Man meint sich unbedingt waschen zu müssen. Es entstehen innere
Unruhe, und Angst. Die Hände müssen gewaschen werden, um die
Unruhe zu verringern. Manchmal kann die Unruhe und Anspannung
scheinbar nur durch gedankliche Rituale, wie z.B. Zählen, oder
gedankliches Widerholen von Wörtern vermindert werden. Werden solche
Rituale nun häufiger ausgeführt, kommt es zwar kurzfristig zur
Beruhigung, aber leider auch zur Verfestigung und Chronifizierung der
ursprünglichen Befürchtung: ,,Wenn ich die Hände nicht gewaschen hätte,
hätte ich mich mit Aids infiziert", oder: ,,Nur wenn ich bis 13 zähle,
kann ich mich beruhigen". Auf diese Weise verschlimmert sich die
Situation von Mal zu Mal, der Zwang nimmt zu und ein Teufelskreis von
zwanghaften Ritualen beginnt. Oft werden diese dann schon "vorbeugend"
eingesetzt. Viele Menschen mit einer Zwangsstörung sind extrem in
ihrer Lebensgestaltung eingeschränkt. Menschen mit einer schweren
Zwangsstörung sind meist nicht arbeitsfähig und auch nicht in der Lage
Partnerschaften aufrecht zu erhalten. Oft ist der ganze Tagesablauf von
den Zwängen bestimmt. Kontrollzwänge, Waschzwänge, Rituale
verschiedenster Art und Ängste sowie sekundäre Depressionen bestimmen
nicht selten den ganzen Tagesablauf und manchmal noch die Nacht. Die
Patienten sind oft Gefangene ihrer Ängste und Rituale, zu kaum etwas
anderem mehr fähig. Bei Panikkrankheit und Zwangskrankheit entwickelt
sich gehäuft eine komorbide Depression (Punktprävalenz ca.30% bzw.40%,
Lebenszeitprävalenz 50 –60% bzw.ca.70%). Es besteht eine 50%ige
Komorbidität von Persönlichkeitsstörung und Zwangsstörung dabei handelt
es sich nicht nur um zwanghafte Persönlichkeiten, sondern auch
vermeidende, abhängige und passiv-aggressive, sehr selten
histrionische und Borderline-Persönlichkeiten. Cluster C Störungen
überwiegen also. Diese Störungen zeigen vor allem die Eigenschaften
ängstlich und furchtsam. Bei einem Mangel an Selbstvertrauen
besteht ein ausgeprägtes Bedürfnis nach sozialer Anerkennung und
Akzeptanz, und aufgrund der Angst vor Alleinsein und Verlassenwerden
werden eigene Bedürfnisse denen des sozialen anderen untergeordnet.
Es gibt Ähnlichkeiten zwischen Zwängen und Abhängigkeiten bei beidem
besteht ein starker Drang zur Wiederholung immer des gleichen Vorgangs,
obwohl bewusst ist, dass er zu einer Schädigung der eigenen Person
führt. Bei beidem besteht Krankheitseinsicht mit einem Wissen um
Schadhaftigkeit. Im Unterschied wird Sucht wird stärker als zur eigenen
Person gehörig empfunden (Ich-synton) Zwang wird häufiger als sinnlos
wahrgenommen. Zwangsrituale können viele Stunden des Tages in Anspruch
nehmen, oft bleibt dann wenig Zeit und Energie für die Verrichtungen des
täglichen Lebens und den Broterwerb. Unsicherheit und
Entscheidungsschwierigkeiten behindern im Kontakt, in Schule und
Ausbildung wie im Berufsleben. Bei fast der Hälfte der Kranken beginnt die Störung in der Kindheit. Im Durchschnitt wird die Diagnose erst nach 9 Jahren gestellt, erst nach 17 Jahren wird nach Studien, wenn überhaupt, eine Behandlung aufgenommen. Eine möglichst frühzeitige Behandlung mit bestimmten Antidepressiva in Kombination mit einer Verhaltentherapie kann oft, aber leider nicht immer, helfen. In der Psychotherapie können die Patienten lernen, dass sie ihre Ängste aushalten können ohne die Rituale auszuüben. Die Medikamente normalisieren bei Wirksamkeit den Hirnstoffwechsel. Leider begeben sich viele Patienten aus Scham nicht in Behandlung, oft wird immer noch falsch oder zuwenig intensiv behandelt. Meist beginnt die Störung harmlos. Leichte Symptome ohne dass die Diagnose gestellt werden muss sind sehr häufig, auch bei Gesunden. Zwangkranke <-> zwanghaften Persönlichkeit Bei einer zwanghaften Persönlichkeit werden die Kontrollhandlungen als zur Person und zum Charakter zugehörig (ichsynton) erlebt, d.h. die Betroffenen sind stolz auf ihr Verhalten und können oftmals nicht verstehen, warum andere Menschen die betreffenden Dinge anders handhaben. Die zwanghafte Persönlichkeitsstörungen sind bei Patienten mit Zwangsstörung eher selten. Es handelt sich um unterschiedliche Störungen. Zwangkranke dagegen leiden unter ihren Gedanken und Handlungen. Bei einer zwanghaften Persönlichkeit handelt es sich um eine Persönlichkeitsstörung, die durch Gefühle von Zweifel, Perfektionismus, übertriebener Gewissenhaftigkeit, ständigen Kontrollen, Halsstarrigkeit, Vorsicht und Starrheit gekennzeichnet ist. Es können beharrliche und unerwünschte Gedanken oder Impulse auftreten, die nicht die Schwere einer Zwangsstörung erreichen. Meist leidet bei einer zwanghaften Persönlichkeit (im Gegensatz zur Zwangsstörung) eher die Umgebung als der Betroffene. Hier soll es um Zwangskranke gehen
Einige Patienten haben zwanghafte Befürchtungen, dass das Sprechen über den Zwang ihn noch schlimmer oder noch realer macht oder sogar dazu führen kann, dass sie ihre Gedanken ausführen. Hier ist es wichtig, zwischen Denken und Handeln zu unterscheiden. Wir können unsere spontanen Gedanken nur sehr begrenzt steuern. Wenn wir versuchen, einen Gedanken zu unterdrücken, bekommen wir ihn nicht mehr aus dem Kopf. Wir können aber lernen, mit unseren Gedanken umzugehen. Dies geht umso einfacher je mehr wir alle unsere spontanen Gedanken akzeptieren lernen. Sie geben oft nur mehr oder weniger bildhafte Auskunft über unsere Gefühle. Die Gedanken können als sehr peinlich empfunden werden, z. B. wenn sie die Verunreinigung durch Kot oder Sperma betreffen. Patienten mit sehr schweren Problemen, insbesondere wenn umfangreiche Zwangshandlungen eine Rolle spielen, können wegen dem Ausmaß beschämt sein, in dem ihre Zwangsgedanken außer Kontrolle geraten sind, v. a. da viele Patienten ihre eigenen zwanghaften Gedanken als an sich völlig sinnlos betrachten Patienten haben oft die Befürchtung, dass die Zwangsgedanken ein Zeichen von Schizophrenie darstellen (was vielleicht zur Folge hat, dass sie jederzeit in die Psychiatrie zwangseingewiesen werden könnten). Wenn die Gedanken oder Impulse Gewalt oder andere illegale oder moralisch verwerfliche Dinge betreffen, fürchten Patienten häufig, dass die Therapeuten veranlassen könnten, dass sie eingesperrt werden. Bei Geisteskrankheiten wie bei der Schizophrenie können die Patienten, im Gegensatz zu Zwangsgedanken, nicht mehr zwischen ihren Gedanken und der Realität unterscheiden. Jemand mit einer unbehandelten, akuten Schizophrenie kann es z.B. für ganz real halten, dass er vom Nachbarn durch die Steckdose bestrahlt wird, oder andere seine Gedanken lesen können und auch direkt beeinflussen können. Bei Zwangsgedanken wissen Sie zumindest überwiegend, dass es sich um übertriebene Befürchtungen handelt. Die Inhalte von Zwangsgedanken und Zwangshandlungen sind offensichtlich nicht kulturspezifisch. Jedenfalls findet eine Studie bei japanischen Betroffenen die selben Symptomcluster, die man zuvor in westlichen Gesellschaften gefunden hat. Das Ergebnis dieser Studie an asiatischen Betroffenen weist auf eine psychobiologische Erklärung der Symptome hin. (Am J Psychiatry 2008 165: 251-253 [Abstract] )
Charakteristische Merkmale von Zwangserkrankungen: nach Dr. Nicolas Hoffmann (Berlin) durchgeführten verhaltenstherapeutischen Fortbildung bei der Gesellschaft für Angewandte Psychotherapie und Verhaltensmedizin (APV) in Münster, 22.3.96 Thema: Therapie von Zwangsstörungen 1) Häufig wird der Zwang nicht von einem Gefühl der Angst begleitet, sondern der Betroffene berichtet ein Gefühl von Ekel. Oftmals herrscht bei den Erkrankten eine Stimmung der Gereiztheit oder eine leichte Katastrophenstimmung vor. Auf die Frage, was könnte passieren, wenn sie das Zwangsritual nicht ausführen würden, können die Patienten in der Regel keine konkreten Angaben machen. Wenn sie solche Vorstellungen haben, wie z.B. die Angst, sich mit einer Krankheit zu infizieren, dann sind es eher Rationalisierungen ihres Handelns (=sekundäre Rationalisierung), d.h. der Versuch, sich selbst gegenüber für das gezeigte ungewöhnliche Verhalten einen plausiblen Grund zu geben. 2) Das Problem verschwindet, wenn jemand dabei ist, dem man die Verantwortung zuschieben kann. 3) Die Patienten berichten häufig, in der betreffenden Situation ein Unvollständigkeitsgefühl zu empfinden oder auch eine Art Trance, die alles vor den Augen verschwimmen lässt, z.B. würde die Hand sich wie automatisch bewegen. 4) Patienten geben das Gefühl an, dass alle Kriterien, die sie anwenden könnten, um z.B. eine Handlung als abgeschlossen zu bewerten, ihnen zu schwammig vorkommen. 5) Gestörtes Handlungsgedächtnis. Die Patienten können schlecht zwischen durchgeführten und vorgestellten Handlungen unterscheiden, was ein Hinweis auf das Vorliegen einer tief greifenden kognitiven Störung sein dürfte. Das sich von der Situation lösen können bzw. aus dieser heraus zu gehen, fällt dem Zwangspatienten sehr schwer und dauert unter Umständen so lange wie die Handlung selbst. 6) Die Patienten entwickeln Hilfestellungen, wie z.B. Sprache, Rhythmen oder auch Pfeile an der Wand, um mit ihrem Zwang zurechtzukommen, d.h. das Zwangsritual so perfekt und vollständig wie möglich ausführen zu können. 7) Nach Ausführen der kritischen Handlung bleibt noch eine beträchtliche Restspannung bestehen: "Vielleicht ist es doch nicht richtig abgelaufen". Zur innerlichen Klärung auf Korrektheit einer Handlung wiederholt der Zwangspatient oftmals noch einmal die Körperposition, in der er die Handlung ausgeführt hat oder er nimmt eine mentale Rekonstruktion der ausgeführten Handlung vor. Er befindet sich dabei auf der Jagd nach dem Gefühl der Sicherheit, dass er die Handlung wirklich und auch richtig ausgeführt hat, was sich jedoch nicht so recht einstellen will. Häufig muss jemand aus der Umgebung helfen, dieses Gefühl von Sicherheit herzustellen, indem er die Fragen des Zwangspatienten auf stereotype Weise beantwortet. Unter Umständen wählt der Patient auch das Mittel einer leichten Selbstverletzung, um sich einen Stimulus zu geben, der ihn empfindungsmäßig und auch gedanklich aus der den Zwang hervorrufenden Reizkonstellation herausführt. 8) Das Kontrollverhalten des Zwangspatienten ist nicht quantitativ, sondern qualitativ anders. Ein Zwangserkrankter, der seine Umgebung kontrolliert, tut dies nicht, um konkrete Gefahren von sich und anderen abzuwehren, sondern um ein diffuses Gefühl der Gefahr zu überwinden. 9) Zwangspatienten drehen die Beweispflicht um, d.h. wir müssen ihnen unsere Sichtweise beweisen, d.h. z.B. begründen, warum es nicht nötig ist, sich über hundertmal am Tag die Hände zu waschen. 10) Kontrollzwänge weisen in der Regel einen schleichenden Beginn auf, Kontaminationsängste mit den dazugehörenden Reinigungsritualen haben einen schlagartigen, genau benennbaren Beginn, der von den Betroffenen häufig als ein brutaler Ausbruch der Erkrankung erlebt wurde.
Zwangserkrankung sind leider keine seltenen Störungen, immerhin sind etwa 1 bis 2% der Bevölkerung davon betroffen. Bedauerlicherweise sind die meisten nicht oder nicht in einer adäquaten Behandlung. Epidemiologische Studien schätzten, dass die Lebenszeitprävalenz bei 2,5% der Allgemeinbevölkerung liegt, die 1-Jahresprävalenz bei 1,5-2,1%. Der Beginn liegt bei Männern meist im 6.-15. Lebensjahr, bei Frauen meist zwischen 20 und 29 Jahren. Unbehandelt haben die meisten einen chronisch schwankenden Verlauf mit Symptomverschlechterung. Es gibt Hinweise auf eine erbliche Komponente. Manchmal treten gleichzeitig andere psychische Störungen wie Angsterkrankungen Tics oder Depressionen auf. |
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3 Fragen die Helfen die Diagnose zu stellen:
Wenn ein aufdringlicher Gedanke eine negativ bewertete Bedeutung erhält, wird er so zum zwanghaft sich aufdrängenden Gedanken, Zwangsgedanken (Definition siehe unten). (Gedanken kann man nur sehr bedingt kontrollieren, man kann nicht etwas nicht denken. Unser Gehirn ist kein Computer, wir können nichts von der Festplatte löschen. Wenn wir angestrengt versuchen einen Gedanken zu vermeiden, kommt er gerade deshalb). Sie sind fast immer quälend, der Patient versucht häufig erfolglos, Widerstand zu leisten. Die Gedanken werden als zur eigenen Person gehörig erlebt, selbst wenn sie als unwillkürlich und häufig abstoßend empfunden werden. Dies versetzt den Betroffenen in Unruhe und Erregung und erzeugt Handlungsbedarf, der aber nur kurzfristig durch ein Handlungsritual zu neutralisieren ist. Zwangshandlungen beenden also die Exposition gegenüber Zwangsgedanken, führen aber nur zu einer kurzfristigen Erleichterung im Sinne einer Befindlichkeitsverbesserung. Sie treten um so eher auf, wenn sie zu einer Verbesserung der Befindlichkeit führen (Reinforcement). Ferner lernt der Patient im Verlauf der Störungsentwicklung, Situationen zu vermeiden, die Zwangsgedanken oder Zwangshandlungen auslösen (Vermeidungsverhalten). Zwangshandlungen oder -rituale sind Stereotypien, die ständig wiederholt werden. Sie werden weder als angenehm empfunden, noch dienen sie dazu, an sich nützliche Aufgaben zu erfüllen. Der Patient erlebt sie oft als Vorbeugung gegen ein objektiv unwahrscheinliches Ereignis, das ihr Schaden bringen oder bei dem sie selbst Unheil anrichten könnte. Im allgemeinen wird dieses Verhalten als sinnlos und ineffektiv erlebt, es wird immer wieder versucht, dagegen anzugehen. Angst ist meist ständig vorhanden. Werden Zwangshandlungen unterdrückt, verstärkt sich die Angst deutlich. Seit den 60er Jahren ist eine erfolgreiche Behandlung mit Verhaltenstherapie möglich Marks I.M. (1975) Behavioral treatments of phobic and obsessive-compulsive disorders: a critical apprasial. In: Hersen J. et al. (eds.) Progress in Behaviour Modification. New York: Academic Press 1975. Marks I.M. (1978) Exposure treatments: conceptual issues. In: Agras W.S. (eds.) Behaviour Modification: Principles and Applications. Boston: Little, Brown & Co 1978. In etwa zeitlich parallel zur Entwicklung der Verhaltenstherapie der Zwangstörung wurde die Wirksamkeit des Antidepressivums Clomipramin bei Zwangskranken nachgewiesen.Lopez-Ibor J.J.Jr., Fernandes-Cordoba E. (1967) La monoclorimipramina en enfermos resistentes a otros tratamientos. Actas Uso Ep Neurol Psiquiatr 1967; 16: 119-147. Die Wirksamkeit dieser Substanz war dabei unabhängig von der antidepressiven Wirkung, aber zeitlich verzögert im Vergleich zur depressionslösenden Wirkung. Häufig stellt sich eine weitere Verbesserung noch viele Wochen nach dem ursprünglichen Wirkungseintritt ein (z.B. nach 16-20 Wochen) Wichtig zu wissen für jede Behandlung ist: Gedanken und Tatsachen müssen unterscheiden werden. Das Unterlassen der Rituale führt nicht dazu, dass die Zwangsbefürchtungen wahr werden, die Unruhe nimmt nur kurzfristig zu, schon bald wird sie weniger. Die Verhaltenstherapeuten nennen diesen Effekt ,,Habituation" oder zu deutsch Gewöhnung. Hierdurch verlieren die beunruhigenden Situationen allmählich Ihre Bedrohlichkeit zwanghafte Gedanken und Rituale müssen nicht mehr eingesetzt werden. Von großer Bedeutung für die Generalisierung des therapeutischen Effektes ist, dass die Konfrontation mit nachfolgender Reizverhinderung so bald als möglich in das Verhaltensrepertoire des Patienten selbst übernommen wird, so dass der Patient zwischen den therapeutischen Sitzungen zu Hause vorher vereinbarte Situationen üben kann (Ziel des Selbstmanagement). Notwendige Ergänzungen der Behandlung bestehen im begleitenden Ausbau vorher vernachlässigter Alltagsaktivitäten und der Normalisierung sozialer Beziehungen. Die Therapieziele des Patienten werden sowohl symptombezogen als auch bezüglich der Veränderungen in anderen Problembereichen erfasst. Die Ziele sollen möglichst konkret und nachprüfbar formuliert werden. Es genügt also nicht, als Therapieziel "Ich will meine Zwänge loswerden" zu definieren. Globale Therapieziele müssen in kleine, überschaubare Therapieziele unterteilt werden. Um die Therapiemotivation zu fördern, ist eine Unterteilung in kurz- und langfristige Ziele hilfreich, bei der symptombezogenen Zielanalyse auch die Festlegung von Wochenzielen. Hierbei sind direkte Zeitangaben (z.B. Duschzeiten) oder Angaben von Häufigkeiten (z.B. des Herd-Kontrollierens) sinnvoll. Im Grunde geht es bei dieser Zielfestlegung um eine Unterstützung in der Normklärung des Patienten. Patienten, die beispielsweise mehrere Jahre lang an einem Waschzwang litten, berichten über eine ausgeprägte Normunsicherheit ("Wo beginnt zwanghaftes Händewaschen? Wie häufig seift man normalerweise dabei die Hände ein?"). Bei der Zielanalyse ist von großer Bedeutung, dass die Ziele des Patienten, und nicht die Vorstellungen des Therapeuten maßgeblich sind. Der Therapeut muss eventuell bei einem Waschzwang Hygienestandards akzeptieren, die nicht die seinen sind. Im Einzelfall muss mit dem Patienten diskutiert werden, ob das von ihm angegebene Ziel therapeutisch vertretbar ist oder ob es noch im Bereich des Zwangsverhaltens liegt. Dr. Nicolas Hoffmann (Berlin) durchgeführten verhaltenstherapeutischen Fortbildung bei der Gesellschaft für Angewandte Psychotherapie und Verhaltensmedizin (APV) in Münster, 22.3.96 Thema: Therapie von Zwangsstörungen
Zur Verhaltenstherapie Die in vivo-Exposition gilt als therapeutische Intervention der Wahl
bei Zwangshandlungen (50-80% Erfolg bei Wasch- oder Kontrollzwängen,(
Klepsch, R., Wlazlo, Z. & Hand, I. (1991) Zwänge. In: R. Meermann
& W. Vandereycken: Verhaltenstherapeutische Psychosomatik in Klinik und
Praxis. Stuttgart: Schattauer.). Zunächst werden die Situationen
therapeutenbegleitet aufgesucht. Kommt es bei einem Patienten mit
Waschzwang beim Berühren einer Türklinke zur Angst, sich zu
kontaminieren und damit zum Drang, sich in ritualisierter Form die Hände
zu waschen, so übt dieser Patient im Expositionstraining, Türklinken zu
berühren. Er wird dabei einen Spannungsanstieg verspüren, aber
gleichzeitig die Erfahrung machen, dass die Anspannung auch ohne Ausübung
des Waschrituals von selbst wieder abfällt. Er wird also am eigenen
Erleben lernen, dass es sich bei dem Spannungsanstieg um eine
erschöpfliche physiologische Reaktion handelt, die im Verlaufe der
Expositionsübung immer schwächer auftritt, bis es bei Berührung der
Türklinke kaum noch zu Angst kommt (Habituation). Hat er diese Situation
erfolgreich gemeistert, wird er die nächstschwierigere Situation in
Angriff nehmen (graduierte Exposition). "Im Gegensatz zur kognitiven
Verhaltenstherapie mit Reizkonfrontation ist die Wirksamkeit
psychoanalytischer Therapieverfahren sowie von Gesprächstherapie bei
primären Zwangsstörungen nicht belegt. Die klinische Erfahrung zeigt,
dass Psychoanalyse und andere Therapieformen bei Zwangsstörungen kaum
wirksam sind, insbesondere bezüglich einer Verminderung der
Zwangssymptomatik. Bei gleichzeitig vorhandener Psychose oder
schwerer Depression sollte der medikamentösen Behandlung der Vorzug
gegeben werden, hier ist oft keine Belastbarkeit für eine Exposition
vorhanden." U. Voderholzer, Zwangsstörungen; Fortschr Neurol Psychiatr
2005; 73: 526-547 Scheint der Betroffene das Therapierational verinnerlicht zu haben, soll möglichst bald ins Selbstmanagement übergegangen werden, d.h. der Patient übt die zwangsauslösende Situation allein und bespricht Erfolge und Probleme mit dem Therapeuten in der nächsten Sitzung. Ebenso ist es bei einer stationären Therapie wichtig, frühzeitig Auslösesituationen in dem natürlichen Umfeld des Patienten aufzusuchen (Expositionstraining Zuhause, am Arbeitsplatz). Die wichtigsten Komponenten des Expositionstrainings sind: 1) die Erfahrung, auch ohne Zwangsritual eine Spannungsreduktion als natürliche physiologische Reaktion zu erreichen; 2) eine realistische Wahrnehmung der ausgelösten (meist negativen) Gefühle und Kognitionen; die Korrektur verzerrter Kognitionen und Selbstbilder (z.B.: "es gibt keine hundertprozentige Sicherheit", "auch ich kann und darf Wut verspüren"); ; 3) eine Intensivierung der therapeutischen Beziehung durch die emotionsreiche Zusammenarbeit an realen Problemfeldern der Patienten (bei Übungen in privater Umgebung sollte allerdings stets auf Anwesenheit einer dritten Person geachtet werden); 4) die direkte Symptomreduktion, wobei zur Stabilisierung der Fortschritte häufige Wiederholungen notwendig sind. Um einen guten Übungseffekt zu erreichen und die kognitive Meidung durch Abgeben der Verantwortung an den Therapeuten zu verhindern, wird vor jeder Übung die Entscheidung der Patienten erneut eingeholt. Zudem versucht der Therapeut durch Ansprechen des gedanklichen und emotionalen Zustandes eine vollständige Beteiligung der Patienten zu gewährleisten und eine kognitive Meidung (wie z.B. an etwas anderes denken, in gedanklichen Ritualen "alles wiedergutmachen" etc.) zu umgehen. Etwa 50 bis 70% der Zwangskranken Patienten, die zu einer Verhaltenstherapeutischen Behandlung motiviert werden können, erreichen dadurch eine ganz wesentliche Verbesserung ihrer Symptome (Hand I. (1995) Ambulante Verhaltenstherapie bei Zwangsstörungen. Fortschr Neurol Psychiat 1995; 63 (Sonderheft 1): 12-19. ).
Nicht zu unterschätzen ist die interaktionelle Funktionalität der Zwänge, zumal die direkten Angehörigen häufig als Handlanger der Zwänge fungieren, indem sie z. B. Kontrollen für den Erkrankten übernehmen müssen. Dieser kann durch die Unterwerfung aller unter den "Zwang der Zwänge" (Hand, I. (1992) Verhaltenstherapie der Zwangsstörungen. In: I. Hand, W.K. Goodman & U. Evers (Hrsg.) Zwangsstörungen: Neue Forschungsergebnisse. duphar med communication, Band 5. Berlin, Heidelberg etc.: Springer Verlag) latent aggressiv Kontrolle über sein soziales Umfeld ausüben. Der Zwang kann im partnerschaftlichen oder familiären Machtkampf zur Waffe werden. Häufig dient er als Schutzwall zur Distanzierung vor übergriffigen Bezugspersonen, wenn im Familiensystem keine anderen Modi der Abgrenzung gelernt oder toleriert wurden. Menschen, die unter Zwangsstörungen leiden sind häufig selbstunsicher und von ihren Bezugspersonen abhängig. Depression treten im Verlauf häufig als Komplikation auf. Benzodiazepin- und Alkoholabhängigkeit treten gehäuft auf und erschweren die Behandlung. In der krankheitsbedingten sozialen Isolation gewinnen Angehörige deshalb eine große Bedeutung. Ein wichtiger Bestandteil symptombezogener Interventionen sind deshalb Angehörigengespräche über die Zwangserkrankung. Nach einer Krankheitsaufklärung geht es gerade bei Zwangshandlungen häufig darum, die Angehörigen zu motivieren, sich nicht mehr in die Ausübung der Zwänge einbinden zu lassen (z.B. Kontrollen zu übernehmen, Rückversicherungen zu geben, oder selbst den auferlegten Hygienestandards des Zwangssystems zu entsprechen). Eine klare Distanzierung von den Zwangsverhaltensweisen ist die beste Unterstützung des Betroffenen für die weitere Zukunft. Strategien zur Unterstützung im Expositionstraining zu Hause werden besprochen, wenn im individuellen Fall der Angehörige vom Betroffenen als Kotherapeut ausgewählt wurde. Die Einbeziehung von Angehörigen als Kotherapeuten beim Expositionstraining muss jedoch im Einzelfall unter Berücksichtigung interaktioneller Probleme sehr sorgfältig überlegt werden, da eventuell die Krankenrolle des Patienten festgeschrieben wird oder die "Machtverhältnisse" in der Familie zuungunsten des Patienten beeinflusst werden. Die Behandlung hat viele Ähnlichkeiten zur Behandlung von Angststörungen dies gilt auch für die oft zur Psychotherapie zusätzlich nötige pharmakologische Behandlung Dass Expositionsverfahren in der Therapie von Zwangsstörungen
das Mittel der Wahl sind, ist unbestritten. Das sehen alle Leitlinien
so. Nach einer aktuellen Studie geben etwa 91% der Verhaltenstherapeuten
in ihren Kassenanträgen an, Konfrontationsverfahren zu planen. In der
Studie werden nun Patienten zur Realität der Behandlung befragt. Das
Ergebnis ist erschreckend. Von bisher 24 in der Studie befragten
Patienten in verhaltenstherapeutischer Behandlung berichteten 87%, dass
keine Expositionsübungen stattgefunden habe. Auch bei den Vorbereitungen
einer Konfrontationsbehandlung gaben die befragten Patienten überwiegend
an, diese nicht gemacht zu haben. So geben 83% an, keine
Selbstbeobachtungsprotokolle erstellt zu haben und 87% berichteten,
keine Zwangshierarchie erstellt zu haben. Das Wissen um die wirksame
Behandlung wird daher meist nicht umgesetzt, weniger strukturiertes
Vorgehen scheint bequemer- zum Leidwesen der Patienten. Man darf
auf die endgültige Veröffentlichung der Studie gespannt sein. Drum prüfe
wer sich an den Therapeuten bindet. Nicht zuletzt wegen der schlechten
Versorgungsrealität in der Psychotherapie sind Medikamente in der
Behandlung der Zwangsstörung oft unverzichtbar. Böhm, Karsten,
Versorgungsrealität der Zwangsstörungen: Werden Expositionsverfahren
eingesetzt? PS-030-0315 DGPPN 2005. Die Veränderungen des Hirnstoffwechsels bei Verabreichung von Antidepressiva scheint spezifisch für die Erkrankung zu sein und hängt auch vom Erfolg der Behandlung ab. Während Sigmund Freud noch davon ausging, dass eine übertriebene Sauberkeitserziehung die Ursache der Zwangstörung sei, wird heute überwiegend von einer Stoffwechselstörung im Gehirn als Ursache ausgegangen. Zwangssymptome nach Schädel-Hirn-Traumata und bei Epilepsie gaben erste Hinweise für eine Schädigung im Gehirn als Ursache. Die Vorgeschichte von Zwangspatienten zeigen häufiger als bei Gesunden Schwierigkeiten bei der Geburt. Pathophysiologische Modelle gehen davon aus, dass Zwangsstörungen mit einer Störung von Regelkreisen, die für die Informationsverarbeitung wichtig sind, im Gehirn zusammenhängen. Fehler der Filterfunktion des Thalamus im Gehirn verhindern das Aussortieren sich aufdrängender unsinniger Gedanken und Impulse. Untersuchungen mit modernen radiologischen Verfahren haben Veränderungen des Hirnstoffwechsels für den Neurotransmitter Serotonin in bestimmten Hirngebieten nachgewiesen. Patienten, die an Zwangsstörungen leiden, zeigen nach solchen Untersuchungen eine Verminderung des Hirnstoffwechsels im rechten Nukleus caudatus, in der rechten ventrolateralen präfrontalen Hirnrinde und in der beidseitigen orbitofrontalen Hirnrinde und im Thalamus. Zwangsstörungen sind zumindest teilweise erblich, dabei haben dann Eltern und Kinder aber oft unterschiedliche Symptome, beispielsweise kann die Mutter an einem Waschzwang leiden, während beim Sohn ein Kontrollzwang im Vordergrund steht. Serotonin Reuptake Hemmer sind ein Gruppe von Antidepressiva die für Depressionen, Angststörungen und Zwangsstörungen sowie für einige andere psychische Störungen therapeutisch eingesetzt werden. Eine Gruppe amerikanischer Forscher untersuchte nun genauer was im Gehirn von Patienten mit Depressionen und Zwangsstörungen im Gehirn unter der Behandlung mit einer dieser Substanzen passiert. Obwohl beide Gruppen von Patienten die selbe Dosis des selben Medikamentes über den identischen Zeitraum erhielt, zeigte sich im Hirnstoffwechsel an ganz unterschiedlichen Stellen eine Reaktion. Bereits vor Verabreichung zeigte der Hirnstoffwechsel wie zu erwarten in den Patientengruppen unterschiedliche Auffälligkeiten. Patienten die an reinen Zwangsstörungen litten zeigten eine Verminderung des Hirnstoffwechsels im rechten Nukleus caudatus, in der rechten ventrolateralen präfrontalen Hirnrinde und in der beidseitigen orbitofrontalen Hirnrinde und im Thalamus. Ein Anschlagen der Behandlung führte bei den Patienten mit Zwangsstörungen zu einer Verminderung des striatalen Hirnstoffwechsels. Patienten mit einer Depression und Patienten die sowohl an einer Zwangsstörung als auch eine Depression litten zeigten eine Verminderung des Hirnstoffwechsels in der linken ventrolateralen präfrontalen Hirnrinde und eine Steigerung des Hirnstoffwechsels im rechten Striatum. . Patienten mit einer Depression und Patienten die sowohl an einer Zwangsstörung als auch eine Depression litten zeigten bei Ansprechen auf die Behandlung eine Zunahme des striatalen Hirnsstoffwechsels. In beiden Gruppen war nur dann eine Veränderung des Hirnstoffwechsels nachweisbar, wenn auch ein Ansprechen der Symptome auf die Behandlung zu verzeichnen war. Sanjaya Saxena, MD; Arthur L. Brody, MD; Matthew L. Ho, BS; Shervin Alborzian, BS; Karron M. Maidment, RN; Narineh Zohrabi, BS; Mai K. Ho, BS; Sung-Cheng Huang, PhD; Hsiao-Ming Wu, PhD; Lewis R. Baxter, Jr, MD Differential Cerebral Metabolic Changes With Paroxetine Treatment of Obsessive-Compulsive Disorder vs Major Depression http://archpsyc.ama-assn.org/issues/v59n3/abs/yoa20376.html Neben Störungen im Serotoninstoffwechsel spielt möglicherweise auch ein Ungleichgewicht im Dopaminstoffwechsel der Basalganglien ein Rolle. Serotoninreuptakehemmer wirken vermutlich durch die Down-Regulation präsynaptischer 5-HT1D-Autorezeptoren im orbitofrontalen Kortex. Diese Autorezeptoren finden sich auch noch in der Substantia nigra und im Striatum. Tic assoziierte Zwangsstörungen scheinen besser auf eine Kombination mit einem Neuroleptikum anzusprechen . Ein Erklärungsversuch dafür könnte sein, dass an der Pathophysiologie der reinen Zwangsstörung und der Körperdysmorphophobie primär die Achse zwischen orbitofrontalem Kortex und der Amygdala beteiligt ist, die einer serotonergen Modulation unterliegt, während die Zwangsstörung mit komorbiden Tics und das Tourette-Syndrom auf eine primär striatale Dysfunktion zurückzuführen sind und über das Striatum stärker dopaminerg beeinflussbar ist. Andreas Kordon, Fritz Hohagen Neurobiologische Aspekte zur Ätiologie und Pathophysiologie der Zwangsstörung PPmP Psychother Psychosom med Psychol 2000; 50: 428±434. Im Unterschied zur Behandlung depressiver Störungen müssen die Antidepressiva bei der Zwangsstörung doppelt bis dreifach so hoch dosiert werden, bis die Wirkung eintritt dauert es deutlich länger, oft muss mit 8 bis 12 Wochen gerechnet werden. Eine Kombination von Verhaltenstherapie und Antidepressiva ist der Behandlung mit einer Behandlungsmethode alleine in ihrer Wirksamkeit und der Dauer der Wirkung überlegen. 50 bis 70% der Zwangskranken werden unter Behandlung langfristig deutlich gebessert. Drei Meta-Analysen ergaben, dass Clomipramin etwas stärker wirksam ist als die SSRIs, allerdings bleibt unklar, ob dies auch dann zutrifft, wenn SSRIs in hohen Dosierungen verabreicht werden. Die Wirksamkeit der Pharmakotherapie allein ist jedoch begrenzt, die Reduktion der Symptome, gemessen mit der Yale-Brown Obsessive compulsive scale beträgt nach meist 2-3 monatiger Therapie nur etwa 20 – 40 % im Mittel. Das Ausmaß der Symptomreduktion ist damit geringer als bei einer Verhaltenstherapie mit Reizkonfrontation. Dennoch kann auch eine Symptombesserung dieser Größenordnung einen erheblichen Zuwachs an Lebensqualität bedeuten. |
| Die Wahl der Behandlung | ||||||||||
| unter Berücksichtigung der relativen Effektivität, Anhalten der Wirkung, Schnelligkeit des Wirkungseintritts, Erträglichkeit der Nebenwirkungen und üblicherweise positive Erwartungen an die Behandlung von PTH (Psychotherapie die in diesem Fall immer eine intensive Aufklärung und eine Anleitung zur Konfrontation beinhaltet. Ziel immer, dass der Patient Fertigkeiten entwickelt die es ihm ermöglichen alleine mit seinen Symptomen fertig zu werden. Kontraindiziert immer, dass der Therapeut eine langfristig beruhigende Position einnimmt. Der Patient soll lernen, sich selbst wieder zu beruhigen, selbst und alleine mit der Angst umzugehen). , Medikamente alleine, und kombiniert (PTH + AD). | ||||||||||
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Effektivität |
Schnelligkeit des Wirkungseintritts |
Anhalten der Wirkung |
Erträglichkeit der Nebenwirkungen |
Positive Erwartungen an die Behandlung |
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| leichte Symptome | schwere Symptome | leichte Symptome | schwere Symptome | leichte Symptome | schwere Symptome | leichte Symptome | schwere Symptome | leichte Symptome | schwere Symptome | |
| PTH + AD | erste Wahl | erste Wahl | erste Wahl | erste Wahl | erste Wahl | zweite Wahl | erste Wahl | erste Wahl | erste Wahl | erste Wahl |
| PTH | erste Wahl | zweite Wahl | erste Wahl | zweite Wahl | erste Wahl | zweite Wahl | erste Wahl | zweite Wahl | erste Wahl | zweite Wahl |
| Medikamente | zweite Wahl | zweite Wahl | zweite Wahl | zweite Wahl | zweite Wahl | dritte Wahl | zweite Wahl | erste Wahl | zweite Wahl | erste Wahl |
| Effektivität
entspricht der Wahrscheinlichkeit einer deutlichen Symptombesserung Schnelligkeit des Wirkungseintritts Anhalten der Wirkung gemeint nach Beendigung der Behandlung. Erträglichkeit der Nebenwirkungen Positive Erwartungen an die Behandlung gemeint von Seiten des Patienten |
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| Nebenwirkung | weniger wahrscheinlich unter | wahrscheinlicher unter |
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Medikamente gegen Zwänge zusammengefasst:
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| Multicenter Double-blind Comparison of Sertraline and Desipramine for Concurrent Obsessive-Compulsive and Major Depressive DisordersRudolf Hoehn-Saric, MD; Philip Ninan, MD; Donald W. Black, MD; Stephen Stahl, MD; John H. Greist, MD; Bruce Lydiard, MD; Susan McElroy, MD; John Zajecka, MD; Douglass Chapman, MS; Cathryn Clary, MD; Wilma Harrison, MD Arch Gen Psychiatry. Januar 2000;57 FULL TEXT | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| Dosierung von Antidepressiva bei Zwangsstörungen (Bitte bedenken Sie immer, die Auswahl eines Medikamentes muss auf den individuellen Patienten abgestimmt werden. Eine Behandlung mit einem Antidepressivum ohne ausführliche individuelle Beratung und individuelle Auswahl des Medikamentes hat wesentlich schlechtere Erfolgsaussichten, und oft unnötig viele Nebenwirkungen. Die Erfolgsaussichten werden dann etwa so, wie wenn Sie als Laie sich eine Buch aus der Elektrikerausbildung kaufen und mit dieser Anleitung Ihr Haus verkabeln wollen. Die Gefahren würden immer wesentlich schwerer wiegen als die Chance Geld zu sparen.) zurück zum Seitenanfang |
| Antidepressivum |
Dosierung (mg) |
mittlere tägliche Dosis (mg) |
Kein Ansprechen auf die übliche Dosierung | Mäßiges Ansprechen auf die übliche Dosis |
| Fluvoxamin
Fluoxetin Clomipramin Sertralin Paroxetin Escitalopram |
100–300 20–80 100–300 75–225 20–60 20 |
200 50 200 150 50 20 |
Erhöhung innerhalb von 8 Wochen auf die Maximaldosierung | Erhöhung innerhalb von 8 Wochen auf die Maximaldosierung |

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Doppelblind gegen Placebo durchgeführten Studien zur Wirksamkeit der verschiedenen Wiederaufnahmehemmer bei Zwangsstörungen |
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Autoren |
Substanz |
Design und Dosis |
Patienten (N) |
Behandlungsdauer |
Abbruch wg. NW |
Outcome |
| Clomipramin Collaborative Study Group. Clomipramin in the treatment of patients with obsessive-compulsive disorder. Arch Gen Psychiatry 1991; 48: 730-738. | Clomipramin | 320 mg/die |
520 |
10 Wochen |
10% |
> Placebo |
| Tollefson G.D., Rampey A.H., Potvin J.H. et al. (1994) A multicenter investigation of fixed-dose fluoxetine in the treatment of obsessive-compulsive disorder. Arch Gen Psychiatry 1994; 51: 559-567. | Fluoxetin | 20/40/60 mg/die |
355 |
13 Wochen |
6% |
alle Dosierungen > Placebo |
| Greist J.H. (1991) Fluvoxamine treatment of obsessive-compulsive disorder. 5th World Congress Biological Psychiatry Florence 1991. | Fluvoxamin | 300 mg/die |
320 |
10 Wochen |
11% |
> Placebo |
| Greist J.H., Jefferson J.W., Kobak K.A. et al. (1995a) Efficacy and tolerability of serotonin transport inhibitors in obsessive-compulsive disorder. Arch Gen Psychiatry 1995; 52: 52-60. | Sertralin | 50/100/200 mg/die |
325 |
12 Wochen |
10% |
alle Dosierungen > Placebo |
| Tabelle aus: Stephan A. Volk,Aktuelle Aspekte der Behandlung von Zwangsstörungen Nervenheilkunde. 5/1996, Jg. 15, S. 308-314 | ||||||
| Bei unzureichender Wirksamkeit von Antidepressiva werden zur Wirkverstärkung (Augmentation) bei atypische Neuroleptika hinzu gegeben, in Studien zeigten Risperidon, Olanzapin und Quetiapin gute Ergebnisse. Bei Psychosen mit Zwangssymptomen wird zunächst mit einem Antispsychotikum/Neuroleptikum behandelt, erst wenn diese Behandlung nicht ausreichend ist, werden zusätzlich SSRI dazugegeben. Auch bei Tic-Erkrankungen ist die Kombinationstherapie mit Neuroleptika und Serotoninwiederaufnahme-Hemmern meist sinnvoll. Bei begleitend vorhandenen Psychosen, schwereren Depressionen, und Tic-Erkrankungen hat die medikamentöse Behandlung den Vorrang vor der Psychotherapie der Zwänge. Atypischer Neuroleptika in niedriger Dosierung können auch bei Menschen, die nur unter Zwängen leiden als zusätzliches Medikament, das Ansprechen auf Antidepressiva wahrscheinlicher machen. U. Voderholzer, Zwangsstörungen; Fortschr Neurol Psychiatr 2005; 73: 526-547 |
| Ein Behandlungsansatz könnte sich jetzt aus einer nicht
ganz unerwarteten zufälligen Beobachtung an Patienten ergeben, die
zugleich an einer schweren Zwangsstörung und einer Parkinsonerkrankung
erkrankt waren. Für die Encephalitis lethargica, eine Infektionskrankheit,
war bereits in den 30er Jahren die gemeinsame Verursachung des M.
Parkinson und von Zwangstörungen beschrieben worden. Die
Tiefenhirnsstimulation ist eine inzwischen gut erprobte und
erfolgreiche Methode in der Behandlung schwer an M. Parkinson erkrankter
Patienten. Dabei wird bei einer stereotaktischen Operation ein
Orientierungssystem mit Schrauben am Kopf befestigt, unter Röntgenbild-
und CT- Kontrolle wird dann beim wachen Patienten eine
Stimulationselektrode an bestimmte Stellen des Gehirns eingeführt und
später in Narkose vollends fixiert. Über einen dünnen Draht verbunden
werden dann von einem Impulsgenerator (eine Art Schrittmacher wie
beim Herzen), der in einer Brusttasche unter dem Schlüsselbein oder
in den Unterbauch liegt Stromimpulse in ein bestimmtes Hirngebiet
abgegeben. Hierdurch lassen sich viele Symptome der Parkinsonkrankheit
unterdrücken. Letzteres ist vom Patienten auch steuerbar. Vereinfacht
gesagt kann der Patient dann anschließend mit Hilfe eines Magneten oder
eines kleinen Handprogrammiergeräts selbst seine Symptomatik ausschalten.
In Ausgabe der Zeitschrift The Lancet vom 26.2.2002 werden von Forschern
aus Paris 2 Fälle von Patienten berichtet, die wegen ihrer
Parkinsonkrankheit eine Elektrode zur Tiefenhirnsstimulation
implantiert bekommen haben und bei denen sich als quasi Zufallsbefund
durch eine solche Tiefenhirnsstimulationen eine schwere seit Jahrzehnten
bestehende Zwangssymptomatik akut ganz wesentlich besserte. Da seit
Jahrzehnten bestehende Zwangssymptome selten akut besser werden ist es
wahrscheinlich, dass es sich um einen Effekt dieser Tiefenstimulation
handelte. Ob dieser Effekt durch die Stimulierung von Serotonin
transportierenden Nervenzellen, die durch die Region des hier elektrisch
gereizten N. subthalamicus zur orbitofrontalen und präfrontalen Rinde
ziehen, zustande kam oder durch andere Mechanismen, kann noch nicht
beurteilt werden. Von den Autoren des zitierten Artikels wird eher eine
Hemmung von limbisch-
striataler-pallidaler-subthalamischer-pallidothalamischer-cortikaler
Regelkreise ausgegangen. Bevor diese Behandlungsmethode Zwangspatienten,
die nicht auf die üblichen Behandlungsmethoden ansprechen, empfohlen
werden kann, sind aber weitere Untersuchungen erforderlich. Es muss sich
erst zeigen, dass und in welchen Prozentsatz das Verfahren auch bei
Patienten mit reinen Zwangsstörungen wirksam ist. Falls dies zutrifft,
bleibt noch herauszufinden, welche Lage der Stimulationselektrode bei
diesen Patienten ideal ist. Das Nebenwirkungsrisiko liegt bei
Parkinsonpatienten bei ca. 1,5 bis 3% für die unbeabsichtigte Schädigung
anderer Hirnstrukturen. Angesichts der Schwere der Erkrankungen macht der
jetzt veröffentlichte Bericht Hoffnung auf neue Impulse in der Behandlung
von Zwangsstörungen. Aktuell bleibt aber das größte Problem noch, dass die
Diagnose meist erst viel zu spät gestellt wird und viel zu spät mit einer
Behandlung begonnen wird. Nicht selten werden auch unwirksame
Behandlungsverfahren gewählt.
Compulsions, Parkinson’s disease, and stimulation Luc Mallet et al. THE LANCET , 360, 1302-04. October 26, 2002 |
Definition nach dem ICD 10 Kapitel V
ICD-10 Homepage
| Zwangsstörung | |||
| Wesentliche Kennzeichen sind wiederkehrende Zwangsgedanken und Zwangshandlungen. Zwangsgedanken sind Ideen, Vorstellungen oder Impulse, die den Patienten immer wieder stereotyp beschäftigen. Sie sind fast immer quälend, der Patient versucht häufig erfolglos, Widerstand zu leisten. Die Gedanken werden als zur eigenen Person gehörig erlebt, selbst wenn sie als unwillkürlich und häufig abstoßend empfunden werden. Zwangshandlungen oder -rituale sind Stereotypien, die ständig wiederholt werden. Sie werden weder als angenehm empfunden, noch dienen sie dazu, an sich nützliche Aufgaben zu erfüllen. Der Patient erlebt sie oft als Vorbeugung gegen ein objektiv unwahrscheinliches Ereignis, das ihr Schaden bringen oder bei dem sie selbst Unheil anrichten könnte. Im allgemeinen wird dieses Verhalten als sinnlos und ineffektiv erlebt, es wird immer wieder versucht, dagegen anzugehen. Angst ist meist ständig vorhanden. Werden Zwangshandlungen unterdrückt, verstärkt sich die Angst deutlich. | |||
| Inkl.: | Anankastische Neurose Zwangsneurose |
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| Exkl.: | Zwangspersönlichkeit(sstörung) | ||
| F42.0 | Vorwiegend Zwangsgedanken oder Grübelzwang | ||
| Diese können die Form von zwanghaften Ideen, bildhaften Vorstellungen oder Zwangsimpulsen annehmen, die fast immer für die betreffende Person quälend sind. Manchmal sind diese Ideen eine endlose Überlegung unwägbarer Alternativen, häufig verbunden mit der Unfähigkeit, einfache, aber notwendige Entscheidungen des täglichen Lebens zu treffen. Die Beziehung zwischen Grübelzwängen und Depression ist besonders eng. Eine Zwangsstörung ist nur dann zu diagnostizieren, wenn der Grübelzwang nicht während einer depressiven Episode auftritt und anhält. | |||
| F42.1 | Vorwiegend Zwangshandlungen [Zwangsrituale] | ||
| Die meisten Zwangshandlungen beziehen sich auf Reinlichkeit (besonders Händewaschen), wiederholte Kontrollen, die garantieren, dass sich eine möglicherweise gefährliche Situation nicht entwickeln kann oder übertriebene Ordnung und Sauberkeit. Diesem Verhalten liegt die Furcht vor einer Gefahr zugrunde, die den Patienten bedroht oder von ihm ausgeht; das Ritual ist ein wirkungsloser oder symbolischer Versuch, diese Gefahr abzuwenden. | |||
| F42.2 | Zwangsgedanken und -handlungen, gemischt | ||
| F42.8 | Sonstige Zwangsstörungen | ||
| F42.9 | Zwangsstörung, nicht näher bezeichnet | ||
| F60.5 | Anankastische [zwanghafte] Persönlichkeitsstörung | ||
| Eine Persönlichkeitsstörung, die durch Gefühle von Zweifel, Perfektionismus, übertriebener Gewissenhaftigkeit, ständigen Kontrollen, Halsstarrigkeit, Vorsicht und Starrheit gekennzeichnet ist. Es können beharrliche und unerwünschte Gedanken oder Impulse auftreten, die nicht die Schwere einer Zwangsstörung erreichen. | |||
| Zwanghafte
Persönlichkeit(sstörung) Zwangspersönlichkeit(sstörung) |
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| Exkl.: | Zwangsstörung | ||
| Definition der Zwangsstörung im Diagnostischen Manual der
Amerikanischen Psychiatriegesellschaft (DSM IV) A. Entweder Zwangsgedanken oder Zwangshandlungen Zwangsgedanken wie unter 1,2,3oder 4 definiert (1) wiederkehrende und anhaltende Gedanken ,Impulse oder Vorstellungen die zeitweise während der Störung als unangemessen empfunden werden und die ausgeprägte Angst oder großes Unbehagen hervorrufen (2) die Gedanken, Impulse oder Vorstellungen sind nicht nur übertriebene Sorgen über reale Lebensprobleme, (3) die Person versucht, diese Gedanken, Impulse oder Vorstellungen zu ignorieren oder zu unterdrücken oder sie mit Hilfe anderer Gedanken oder Tätigkeit zu neutralisieren, (4) die Person erkennt, dass die Zwangsgedanken, -impulse oder -vorstellungen ein Produkt des eigenen Geistes sind (nicht von außen auferlegt wie bei Gedankeneingebung) Zwangshand1ungen, wie durch (1) und (2)definiert: (1) wiederholte Verhaltensweisen (z.B. Händewaschen, Ordnen, Kontrollieren) oder gedankliche Handlungen (z.B. Beten, Zählen, Wörter leise Wiederholen), zu denen sich die Person als Reaktion auf einen Zwangsgedanken oder aufgrund von streng zu befolgenden Regeln gezwungen fühlt, (2) die Verhaltensweisen oder die gedanklichen Handlungen dienen dazu, Unwohlsein zu verhindern oder zu reduzieren oder gefürchteten Ereignissen oder Situationen vorzubeugen; diese Verhaltensweisen oder gedanklichen Handlungen stehen jedoch in keinem realistischen Bezug zu dem, was sie zu neutralisieren oder zu verhindern versuchen, oder sie sind deutlich übertrieben. B. Zu irgendeinem Zeitpunkt im Verlauf der Störung hat die Person erkannt, dass die Zwangsgedanken oder Zwangshandlungen übertrieben oder unbegründet sind. Beachte: Dies muss bei Kindern nicht der Fall sein. C. Die Zwangsgedanken oder Zwangshandlungen verursachen erhebliche Belastung, sind zeitaufwendig (benötigen mehr als 1 Stunde pro Tag) oder beeinträchtigen deutlich die normale Tagesroutine der Person, ihre beruflichen oder schulischen Funktionen oder die üblichen Aktivitäten und Beziehungen. D. Falls eine andere Störung vorliegt, so ist der Inhalt der Zwangsgedanken oder Zwangshandlungen nicht auf diese beschränkt (z. B. starkes Beschäftigtsein mit Essen bei Vorliegen einer Eßstörung, Haareausziehen bei Vorliegen einer Trichotillomanie, Sorgen über das Erscheinungsbild bei Vorliegen einer körperdysmorphen Störung, starkes Beschäftigtsein mit Drogen bei Vorliegen einer Störung im Zusammenhang mit psychotropen Substanzen, starkes Beschäftigtsein mit einer schweren Krankheit bei Vorliegen einer Hypochondrie, starkes Beschäftigtsein mit sexuellen Bedürfnissen oder Phantasien bei Vorliegen einer Paraphilie, Grübeln über Schuld bei Vorliegen einer Major Depression. E. Das Störungsbild geht nicht auf die direkte körperliche Wirkung einer Substanz (z. B. Droge, Medikament) oder eines medizinischen Krankheitsfaktors zurück. |
| Tiermodell:
Die neurobiologische Basis von Zwangsstörungen ist weiter unklar. Nach funktionellen Kernspintomographien muss man davon ausgehen, dass kortiko-striato-thalamo-kortikale Regelkreise eine Rolle in der Pathogenese spielen. Eine Erblichkeit ist gesichert, ein genauer Genort ist aber nicht bekannt, vermutlich sind mehrere unterschiedliche Gene involviert. Verwandte ersten Grades haben ein 3–12- fach erhöhtes Risiko ebenfalls an einer Zwangsstörung zu erkranken. Bei monozygoten Zwillingen beträgt die Konkordanz 80–87%. bei dizygoten Zwillingen 47–50%. Sicher zu sein scheint, dass Störungen in der Serotonin- Neurotransmission eine Rolle spielen aber dopaminerge und glutamaterge Neurotransmittersysteme scheinen involviert zu sein. Im Tierversuch lässt sich bei Mäusen mit gezielter Zerstörung des Sapap3 Gens ein Verhalten erzeugen, das einer Zwangsstörung sehr ähnlich ist. Hierdurch entstehen Störungen im der erregenden Übertragung in kortiko-striatalen Regelkreisen an den Synapsen der der Mäuse im Gehirn. Die Mäuse zeigen dann ein zwanghaftes Putzen, das zu Hautläsionen führt, ähnlich wie bei Waschzwängen bei Menschen beobachtet, auch bei den Mäusen bessert sich der Putzzwang durch Serotoninwiederaufnahmehemmer.
Ergebnisse zur Prognose der Zwangskrankheit ohne Behandlung
A 40-Year Follow-up of Patients With Obsessive-compulsive
Disorder
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| Bereits vor vielen Jahren wurde ein Zusammenhang
zwischen neurologischen Erkrankungen und der Zwangsstörung beschrieben.
So wurden Zwangssymptome nach Schädel-Hirn-Traumata und bei Epilepsie
dokumentiert und man fand vermehrt Geburtstraumata in der Vorgeschichte von
Zwangspatienten. Außerdem zeigten sich bei Zwangspatienten unspezifische
neurologische Störungen - so genannte „neurological soft signs” - mit
überdurchschnittlicher Häufigkeit. Neben diesen unspezifischen Assoziationen
gibt es eine Reihe neurologischer Erkrankungen, welche eine Schädigung der
Basalganglien zeigen und relativ häufig mit einer Zwangssymptomatik
einhergehen. Das Gilles-de-la-Tourette-Syndrom, das durch motorische und
vokale Tics charakterisiert ist, liegt in einer Häufigkeit von 55 - 74 %
gemeinsam mit Zwangssymptomen vor. Genetische Studien haben eine Beziehung
zwischen dem Gilles-de-la-Tourette-Syndrom und der Zwangserkrankung
festgestellt. Von Economo beschrieb in den 30er Jahren das gemeinsame
Auftreten von extrapyramidalmotorischen Bewegungsstörungen
(Parkinson-Syndrom) und Zwangssymptomatik in der Folge der Encephalitis
lethargica.
Genetische Ursachen sind sehr wahrscheinlich. Ein Gene auf dem Chromosome 9 verursacht Zwangsstörungen oder zur Entstehung von Zwangstörungen bei. Das Gen kodiert die Bildung eines Glutamattransporters, abnormale Glutamataktivität wurde mehrfach als Ursache von Zwangsstörungen postuliert. Diane E. Dickel, et al; Association Testing of the Positional and Functional Candidate Gene SLC1A1/EAAC1 in Early-Onset Obsessive-compulsive Disorder Arch Gen Psychiatry. 2006;63:778-785. ABSTRACT FULL TEXT PDF Eine andere interessante Variante bezüglich der Entstehung und Behandlung der Zwangskrankheit und von verwandten Krankheitsbildern ist in: Therapeutic plasma exchange and intravenous immunoglobulin for obsessive-compulsive disorder and tic disorders in childhood,Susan J Perlmutter, Susan F Leitman, Marjorie A Garvey, Susan Hamburger, Elad Feldman, Henrietta L Leonard, Susan E Swedo,The Lancet, 354:9185:1153-1158, veröffentlicht worden. Plasmapherese zeigte sich dabei bei Kindern in der Behandlung anhaltend
sehr erfolgreich. Hypothese dahinter ist die Entstehung als Autoimmunprozess
im Basalganglienbereich des Gehirns nach Infektionskrankheiten in besondere
A beta-haemolysierende Streptokokken. Inwieweit dies nur für die Untergruppe
PANDAS (paediatric autoimmune neuropsychiatric disorders associated with
streptococcal infections, Swedo S.E., Leonard H.L. and Mittleman B.B. et al.
Pediatric autoimmune neuropsychiatric disorders associated with
streptococcal infections (PANDAS): a clinical description of the first fifty
cases. Am J Psychiatry 1997, 155:264-271.[Medline])
oder generell zutrifft, ist noch unklar und wird weiter untersucht. Unten
Schaubild der Studienergebnisse diese interessanten Studie. Dies ändert natürlich vorläufig nichts daran, dass Vt und Antidepressiva die Standardtherapie bleiben. siehe auch PANDAS Associated with Strep Infections by Leslie Knowlton Psychiatric Times May 1998 Vol. XV Issue 5
In Frage gestellt werden diese Ergebnisse allerdings in einem Artikel in Archies of General Psychiatry / volume:57 (page: 364)Preliminary Findings of Antistreptococcal Antibody Titers and Basal Ganglia Volumes in Tic, Obsessive-compulsive, and Attention-Deficit/Hyperactivity Disorders Bradley S. Peterson, MD; James F. Leckman, MD; Daniel Tucker, MD; Lawrence Scahill, MSN, PhD; Lawrence Staib, PhD; Heping Zhang, PhD; Robert King, MD; Donald J. Cohen, MD; John C. Gore, PhD; Paul Lombroso, MD April 2000 FULL TEXT | PDF (213K) hier wird davon ausgegangen, dass möglicherweise die Strptokokkenantikörper eher für das ADHD (link auf den Artikel der Homepage) verantwortlich sind. Dabei sollen die Ergebnisse bei Zwangskranken dadurch zustande gekommen sein dass viele von diesen gleichzeitig auch ADHD hatten, wärend die Gruppe mit reinen Zwangkrankheiten keine erhöhten Antistreptokokken- Titer aufwiesen.
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| Aktuelles ARCHIVES OF GENERAL PSYCHIATRY- May 2000 Vol 57,
No 5, pp 413-520Decrease in Thalamic Volumes of Pediatric Patients With
Obsessive-compulsiveDisorder Who Are Taking Paroxetine
Andrew R. Gilbert, MD; Gregory J. Moore, PhD;
Matcheri S. Keshavan, MD; Lori Anne D. Paulson;
Vikram Narula; Frank P. Mac Master; Carol M.
Stewart, RNC; David R. Rosenberg, MDhttp://archpsyc.ama-assn.org/issues/v57n5/full/yoa9259.html
Aktuelle Übersicht über die neuropschiatrischen Befunde und Daten bei Zwangsstörungen Dan J Stein, Obsessive-compulsive disorder [Summary] [Full Text] [PDF] The Lancet Volume 360, Number 9330 03 August 2002
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| www.zwaenge.de
Deutsche Gesellschaft Zwangserkrankungen. Informationen für Betroffene und
Experten. www.zwangserkrankungen.de Homepage von Betroffenen (Forum, Chat, Adressen von Therapeuten und Kliniken in Deutschland). www.medicine-worldwide.de Zwangsstörungen www.trichotillomanie.purespace.de www.haeverlag.de/z-aktuell - www.nakos.de http://www.zwangserkrankungen.de Deutsches Medizin-Forum Medicine Online. Internet-Informationsquellen Gesundheitswissenschaften, zusammengestellt von der UB Bielefeld. Dr. Hartmann Online. Auf dieser Homepage finden Sie unter anderem auch einen Zwangs-Fragebogen, mit Hilfe dessen Sie feststellen können, ob Sie möglicherweise an einer Zwangserkrankung leiden. |
Die Begutachtungsleitlinien "Anhaltspunkte für die ärztliche Gutachtertätigkeit" lassen sich derzeit beim Bundesgesundheitsminister kostenlos downloaden ( 1.4 MB).
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Grad der Behinderung im
Schwerbehindertenrecht aus den |
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| Neurosen, Persönlichkeitsstörungen, Folgen psychischer Traumen | GdB |
| Leichtere psychovegetative oder psychische Störungen | 0-20 |
| Stärker behindernde Störungen | |
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30- 40 |
| Schwere Störungen (z. B. schwere Zwangskrankheit) | |
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50-70 |
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80-100 |
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Sozialmedizinische Beurteilung Empfehlung der DRV Oktober 2001 Zwangsstörungen sind in ihren abortiven Formen weit verbreitet. Sie beeinflussen dann die Leistungsfähigkeit der Betroffenen nicht oder nur in geringem Umfang; unter Umständen können sie zu qualitativen Leistungseinschränkungen führen. Eine Zwangsstörung führt üblicherweise nicht zu einer zeitlichen Leistungsminderung. Wenn die Symptome allerdings so ausgeprägt sind, dass Zwangsrituale (z. B. Handwasch-Rituale) stundenlang ausgeführt werden müssen, ist die Leistungsfähigkeit erheblich beeinträchtigt. Bei ausgeprägten Zwangsgedanken kann eine qualitative Leistungseinschränkung bestehen, insbesondere wenn Konzentrationsfähigkeit und andere kognitive Leistungen beeinträchtigt sind. |
| Wichtiger Hinweis: Medizin und Wissenschaft unterliegen ständigen Entwicklungen. Der Autor verwendet größtmögliche Sorgfalt, damit alle Angaben dem aktuellen Wissensstand entsprechen. Eine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben im Text und besonders in den empfohlenen Links ist jedoch ausdrücklich ausgeschlossen. |
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| Medikamente sollte man in der Regel nicht im Internet bestellen. Neben oft unzureichender Qualität, fehlt vorallem die Indikationsstellung und die korrekte Aufklärung, von Haftungsfragen bei gravierenden Nebenwirkungen abgesehen. |
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Es ist auch nicht möglich, dass ein Arzt immer auf dem aktuellsten Stand der medizinischen Forschung in allen Bereichen seines Faches ist. Es ist immer möglich, dass die medizinische Forschung hier noch als wirksam und ungefährlich dargestellte Behandlungsmaßnahmen inzwischen als gefährlich oder unwirksam erwiesen hat. Lesen Sie bei Medikamenten immer den Beipackzettel und fragen Sie bei Unklarheiten Ihren behandelnden Arzt. Medikamentöse Behandlungen auch mit freiverkäuflichen Medikamenten bedürfen ärztlicher Aufsicht und Anleitung. Dies gilt auch für alle anderen Behandlungsverfahren. Die hier angebotenen Informationen können nicht immer für jeden verständlich sein. Um Mitteilung wo dies nicht der Fall ist bin ich dankbar. Fragen Sie hierzu immer Ihren behandelnden Arzt. Dieser weiß in der Regel über die hier dargestellten Sachverhalte gut Bescheid und kann Ihren individuellen Fall und Ihre Beschwerden besser einordnen- was für einen bestimmten Patienten nützlich ist, kann einem anderen schaden. Selbstverständlich gibt es zu den meisten Themen unterschiedliche Auffassungen. Soweit möglich wird hier dargestellt woher die Informationen stammen. In den meisten Fällen mit einem entsprechenden Link (da diese oft ohne Ankündigung geändert werden, sind diese leider nicht immer aktuell zu halten).. Leider ist die zitierte Literatur nicht immer kostenfrei zugänglich. Die Beschränkung auf kostenfrei zugängliche Literatur würde manches sehr oberflächlich lassen. In der Regel versuche ich mich in der Darstellung an deutschen oder internationalen Leitlinien der Fachgesellschaften und Metaanalysen der Literatur zu orientieren. Auch dies ist nicht überall möglich. Zum einen gibt es nicht überall solche Leitlinien, zum anderen werden diese mir nicht immer sofort bekannt. Manche Leitlinien sind lange nicht aktualisiert worden und von neuerer Literatur überholt, bzw, ergänzungsbedürftig. Wenn möglich sind im Text Links zu solchen Leitlinien eingebaut. Auch Leitlinien sind nur Orientierungen, sie schließen nicht aus, dass generell oder im Einzelfall Fehler enthalten sind oder diese im Einzelfall nicht anwendbar sind. Ziel der Darstellung ist hier definitiv nicht, mich als Experten für irgendeines der in der Homepage dargestellten Krankheitsbilder auszuweisen. Ich gehe davon aus, dass alle vergleichbaren Fachärzte für Neurologie, Psychotherapeutische Medizin und Psychiatrie ihre Patienten sorgfältig und genau so gut wie ich behandeln. Sollten Sie über eine Suchmaschine direkt auf diese Seite gekommen sein, werden Sie gebeten auch die Hauptseite aufzusuchen. Dort finden Sie einen Link zu den zuständigen Ärztekammern. Bitte lesen sie auch den Beipackzettel der Homepage und das Vorwort. Jeder Nutzer ist für die Verwendung der hier gewonnenen Informationen selbst verantwortlich, es handelt sich definitiv um keine Anleitung zur Selbstbehandlung. Es wird keinerlei Haftung weder für die hier angebotenen Informationen noch für die in den Links angebotenen Informationen übernommen. Sollten Sie Links finden, die nicht (oder nicht mehr) seriös sind, teilen Sie mir dies bitte mit, damit ich diese löschen kann. Der Autor übernimmt keinerlei Gewähr für die Aktualität, Korrektheit, Vollständigkeit oder Qualität der bereitgestellten Informationen. 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