Raynaudphänomen

attackenartig auftretende Gefäßspasmen der kleinen arteriellen Gefäße der Finger, Hände und selten der Füße. Dabei kommt es zu Beginn zu einem Abblassen der Finger oder Zehen, im Verlauf dann zu einer Blaufärbung (Zyanose) und dann zu einer schmerzhaften vermehrten Durchblutung (Hyperämie). Am häufigsten ist die Blässe und Zyanose der Finger durch Kälte oder Emotionen ausgelöst. Etwa 3% der Bevölkerung soll unter diesen Symptomen leiden, in 60% ist keine Ursache zu finden, in 40% ist es sekundär zu anderen Autoimmun- Krankheiten. Diagnostisch werden deshalb Antinukleäre Antikörper, Antiphospholipid- Antikörper.. auf der Suche nach Autoimmunerkrankungen oder rheumatologischen Erkrankungen bestimmt sind diese positiv und finden sich abnorme kleine Blutgefäße im Nagelbett ist dies ein Hinweis auf eine eventuell behandlungsbedürftige Ursache. Frauen sind häufiger als Männer betroffen, es beginnt meist zwischen 20 und 40 Jahren es sind aber auch schon Kinder betroffen, die Blässe entsteht durch eine Gefäßkonstriktion, oder einen Gefäßspasmus in den Wänden der Fingerarterien durch eine Überempfindlichkeit auf den gefäßzusammenziehenden Effekt der Kälte. Kältetraumen, häufige Überanstrengung der Finger z.b. bei Klavierspielern können ebenfalls auslösend sein. Raucher haben häufiger ein Raynaudphänomen. Das Raynaudphänomen kommt auch bei bestimmten neurologischen Erkrankungen gehäuft vor: Neuritis, Syringomyelie, Bandscheibenprolaps, Hemiplegie, Poliomyelitis, Multiple Sklerose, spinale Tumore, Karpaltunnelsyndrom, Schlaganfälle, Poliomyelitis.

Auch Medikamente können ursächlich sein, insbesondere: Ergotamin und damit verwandte Parkinsonmedikamente, Clonidin, Betablocker, Noradrenalin, Bromocriptin, hormonelle Kontrazeptiva, Zytostatikatherapie mit Bleomycin. Irreversible kann es bei Behandlung mit Vinylchlorid, versehentlicher intraarterieller Injektion, und im Rahmen von Kumarinnekrosen auftreten.

Häufigkeit sekundärer Raynaud-Syndrome als Frühsymptome bei Autoimmun- Erkrankungen in Prozent
Erkrankung Erkrankung
Systemische Sklerose/ Sklerodermie >90 Polymyositis/ Dermatomyositis 10–29
Mischkollagenose >90 Rheumatoide Arthritis -17
Undifferenzierte Kollagenose 50 Sjögren-Syndrom 13
Systemischer Lupus erythematodes 21–44

Sekundäre Raynaud- Syndrome gibt es bei Sklerodermie (90- 95%), oft Jahre vor Beginn der Sklerodermie. Bei Sklerodermie nimmt das Syndrom oft einen schweren Verlauf und muss deshalb zeitig behandelt werden. Sekundäre Raynaud- Syndrome kommen auch bei rheumatoider Arthritis, systemischem Lupus erythematosus, Dermatomyositis, und polymyositis vor. Andere Ursachen sind Kryoglobulinämie, Myeloproliferative Erkrankungen, andere Krebserkrankungen, Hypothyreose, Anorexia nervosa,

Da eine Sklerodermie oder andere Kollagenosen nicht selten mit einem Raynaud- Syndrom beginnen können, ist eine Nachuntersuchung der Patienten ohne Hinweis auf eine sekundäre Form oft sinnvoll,

Primäres Raynaud- Syndrom Sekundäres Raynaud- Syndrom
jüngeres Alter bei Beginn Alter meist >50
symmetrische Attacken symmetrische oder assymetrische Attacken
leichtere Symptome (keine Nekrosen, Ulzerationen und kein Gangrän) schwere schmerzhafte Symptome mit Nekrosen, Ulzerationen und/oder Gangrän)
keine mikrovaskulären Auffälligkeiten im Nagelbett mikrovaskuläre Auffälligkeiten im Nagelbett
keine Symptome die auf eine sonstige Ursache hinweisen Symptome die auf eine Bindegewebserkrankung hinweisen
Negative Labortests bei der Suche nach Autoimmunerkrankungen (BKS, ANA, spez. AK) Positive Labortests bei der Suche nach Autoimmunerkrankungen (BKS, ANA, spez. AK)
Vorgeschichte mit Migräne oder Prinzmetal- Angina Anamnese mit begünstigenden Umweltfaktoren

Oft ist die Vermeidung von Auslösern eine ausreichende Behandlung, Handschuhe tragen bei Kälte, eisgekühlte Getränke meiden, Rauchen einstellen, Entspannung. Auslösende Medikamente kann man manchmal weglassen. Manchmal sind auch medikamentöse Behandlungen notwendig. In Betracht kommen Kalziumkanalblocker wie Nifedipin, ACE- Hemmer, Phosphodiesterasehemmer (Viagra u.ä.), Fluoxetin, u.a.SSRI.

 

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Dr. Johannes Werle

Dr. med Johannes Werle

Redakteur